Jetzt real die Bar-Kachel des Barkombinats

Jetzt real: die Bar-Kacheln des barkombinat

26. Juni 2021

Unsere wunderschönen Kacheln sind endlich da und können gegen eine Spende ab 25 € täglich ab 18 Uhr im Kurhaus abgeholt werden.

Die Spenden fließen komplett in die Kriegskasse des Barkombinats für weitere Aktionen.

Vielen Dank an Lore Hamburg für die Unterstützung!

Von |2022-01-30T18:01:51+01:0026. Juni 2021|Aktuelles|0 Kommentare

Moin Senat, reden wir über Prohibition.

Moin Senat, reden wir über Prohibition

15. Juni 2021

Auf dem Papier dürfen zwar wieder alle Gastronomiebetriebe öffnen, de facto ist der Politik allerdings mehr als bekannt, dass eine Sperrstunde um 23 Uhr für Innenräume einem Betriebsverbot für Nachtbetriebe weiterhin gleichkommt, da diese den Höhepunkt ihres Kundenzustroms zwischen 23 und 5 Uhr haben. Es ist ziemlich offensichtlich, dass der Hamburger Senat genau 2 Arten von Gastronomien kennt: das gesittete geordnete Restaurant, dem eine Schließzeit um 23 Uhr nicht weiter wehtut, da die Kerngeschäftszeit hier nicht angetastet wird, und den Brandherd Nachtbetrieb, bestehend aus Kneipen, Bars und Clubs, der von Hause aus ungeordnet, chaotisch und somit infektionsgefährdend daherkommt.

Dagegen wird ein ‚gefahrengeneigtes Geschäftsmodell zur Nachtzeit‘ zusammenkonstruiert, um Einschränkungen für Bars weiter rechtfertigen zu können und permanent von ‚Ischgl‘ gesprochen, was im Vergleich schon eine absolute Unverschämtheit ist. Gerade in der ‚Weltstadt Hamburg‘, die sich sonst ihrer vielen bunten unterschiedlichen gastronomischen Konzepte rühmt, nicht in der Lage zu sein, einen differenzierten Blick auf diese Branche zu haben, sondern kleingeistig auf diesen mehr als eingeschränkten Blickwinkel zu bestehen, ist beschämend.

Es gab diesen berühmten 4-Stufenplan des Senats, wir sind nun seit geraumer Zeit über Stufe 4 hinaus und es ist in keinster Weise klar, wie Stufe 5, 6 und 7 aussehen sollen, an welche Inzidenzen sie gekoppelt sind. Die Zahlen fallen stetig, aber statt die Bewegungsfreiheit in Hamburg zu erhöhen, werden die Gastronomie weiter mit Sperrstunden beschnitten und Alkoholverbote im öffentlichen Raum verschärft, bzw. sogenannte Hotspots installiert, mit festen Verbotsschildern versehen, die schwer danach aussehen, als wären sie gekommen um zu bleiben.

Was die Hamburger Politik hier veranstaltet, hat im Grunde nicht mehr viel mit Pandemiebekämpfung zu tun, und grenzt an Willkür. Wie auf der Pressekonferenz letzten Dienstag Tschentscher auf Nachfrage eines Journalisten bestätigte, haben bestimmte Reglementierungen überhaupt nichts mit Corona zu tun, hier ginge es um die ‚öffentliche Ordnung‘.

Der Florapark-Rave ist mittlerweile über 2 Wochen her und hatte keinerlei Anstieg der Inzidenzen zur Folge. Und wenn da nun nicht viel passiert ist, worauf warten wir dann? Es ist ja klar, dass man bestimmte Situationen nun nicht ausarten lassen oder forcieren muss, aber wie passt diese übertriebene Vorsicht bezüglich Treffen unter freiem Himmel und dem Überhöhen des ‚Teufels Alkohol‘ mit stetig sinkenden Fallzahlen und dem nur sehr zögerlichen Eingreifen der Politik in andere wirtschaftliche Bereiche zusammen? Wurde vergangenen Herbst nicht hinlänglich aufgezeigt, dass die Gastronomie nicht als Pandemietreiber fungierte, als diese im November komplett geschlossen wurde und die Zahlen trotzdem stiegen? Spielen wir jetzt das umgekehrte Spiel, die Zahlen fallen, aber der ‚Lockdown light‘ wandelt sich für uns in eine ‚Prohibition light‘?

Wir erwarten vom Hamburger Senat, dass er endlich einen auf Inzidenzen basierenden Fahrplan ausarbeitet und vorlegt, der planbar macht zu welchen Zeitpunkten welche Einschränkungen fallen. Denn momentan hat es den Anschein, als würden lediglich unter dem Deckmantel der Coronabekämpfung unliebsame Branchen und Stadtgebiete ruhiggestellt.

Von |2022-01-30T18:03:12+01:0015. Juni 2021|Aktuelles|0 Kommentare

Was für eine Überraschung

Was für eine Überraschung

04. Juni 2021

Zum ersten Mal seit Pandemie-Beginn hat der Senat in einer Änderungsverordnung die Existenz von Bars in der Hansestadt bestätigt. Auf Seite 25 in der neuen Änderungsverordnung findet sich folgende Formulierung:

„Diese Regelung zur Beschränkung der Öffnungszeiten gastronomischer Angebote in Innenräumen ist dringend erforderlich, um die nach den Erkenntnissen des Verordnungsgebers besonders gefahrgeneigten Betriebsmodelle zur Nachtzeit aufgrund der aktuellen epidemiologischen Lage (auf die Ausführungen unter A. wird Bezug genommen) vorerst nicht zu gestatten.“

Wow! Besonders gefahrgeneigte Betriebsmodelle zur Nachtzeit. So sieht man im Rathaus also Bars und Kneipen. Das erklärt das 15-monatige Schweigen bei den unzähligen Landespressekonferenzen. Wir freuen uns auf all die Gäste, die mutig und unerschrocken sind, sich in die neuen Gefahrengebiete des Hamburger Nachtlebens zu stürzen. Prost!

Kachel: Lore Hamburg. Wir erwägen, allen Mitgliedern des Barkombinats eine solche Kachel für die Fassade ihres Betriebes zur Verfügung zu stellen.

Von |2022-01-14T15:42:55+01:004. Juni 2021|Uncategorized|0 Kommentare

Bars sind Kulturorte

Bars sind Kulturorte!

01. Juni 2021

Was ist eine Bar, eine Kneipe? In der Denkweise der Politik handelt es sich um einen Gastronomiebetrieb, ein Unternehmen – und gehört deshalb in die Obhut der Wirtschaftsbehörde. Anders als der Großteil der Wirtschaft sind Bars und Kneipen im Shutdown jedoch wie Kulturorte behandelt worden und vollständig geschlossen worden. Nun hat kein:e Barbetreiber:in, die ihre sieben Sinne beisammen hatte, gefordert, dagegen aufbegehrt. Es ist offensichtlich, dass sie – wie Clubs und Raves – die maximale Antithese zu einer Pandemie sind. Es geht um Nähe, um Liebe, um Lachen, um Ekstase. Ein jedes Virus verbreitet sich da binnen Minuten im Gedränge. Aber genau das macht sie eben auch zu Kulturorten. Doch während andere Kulturorte von der Kulturbehörde tatsächlich unterstützt werden, fristen Bars und Kneipen ein Nischendasein als Untersegment der Gastronomie, für die Wirtschaftsbehörde keinen weiteren Gedanken wert. Geschweige denn einen Cent.

Es mag sein, dass die Bar- und Kneipengastronomie gemessen an absoluten Umsätzen nicht zu den potentesten Branchen der Wirtschaft gehört. Im ausufernden Städtetourismus der 2010er Jahre, in dem die Städte langsam, aber sicher ihre Substanz aufzehren, ist sie für die Politik ein Blickfang, aber kein Schwergewicht. In ihrer Kleinteiligkeit wird sie in austauschbaren Einheiten gedacht. Dieses Denken hat vor einiger Zeit Lars Feld, Ökonomie-Professor und einer der fünf deutschen „Wirtschaftsweisen“, im Handelsblatt ganz unverblümt auf den Punkt gebracht: „Gerade im Gastro-Bereich funktioniert die kreative Zerstörung am ehesten: Eine Kneipe ist doch schnell neu eröffnet, wenn es wieder geht.“

Nun kann man von Ökonomen vielleicht nicht mehr erwarten, als dass sie neoliberale Platitüden im Gefolge von Joseph Schumpeter von sich geben. Von der Politik würde man sich zumindest wünschen, dass sie noch zwei Meter weiter blicken kann. Doch die neoliberale Konditionierung ist zu weit fortgeschritten.

In einer Gesellschaft, in der seit Jahrzehnten wirklich alles und jedes als Profitcenter gedacht, in der jede soziale Handlung nach und nach kommodifiziert wird, ist eine Bar, eine Kneipe eine simple Dienstleistung. Austauschbar. Der Markt wird es richten.

Jede:r Barbetreiber:in weiß es besser. Bars und Kneipen sind viel mehr als Abgabestellen für eine in Flüssigkeiten verabreichte Dienstleistung, die nüchtern mit doppelter Buchführung geplant wird. Sie sind Orte, in denen Menschen zusammenkommen, ein sozialer Mikrokosmos aus Leidenschaften, aus Begehren, aus Wahlverwandtschaften. John Moehringer hat dies in seinem wunderbaren Roman „Tender Bar“ beschrieben: „Stand man in der Mitte der Bar, konnte man sehen, wie Männer und Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten einander belehrten und beschimpften… Man hörte Barkeeper wie Philosophenkönige parlieren, während sie zwischendurch Wetten abschlossen und Pink Squirrels mixten.“ Ein solcher Mikrokosmos lässt sich nicht mit einem Business-Plan im Handumdrehen rekonstruieren.

Die Bar, die Kneipe ist schon früh ein Mikrokosmos der gesellschaftlichen Subversion gewesen. Bereits 1520 notiert Erasmus von Rotterdam über die ersten kommerziellen Gastschenken in Europa: „Alles setzte sich. Reich und Arm, Herr und Knecht, alles durcheinander, kein Standesunterschied, gewöhnlich acht an einem Tisch…“ Der ständischen Gesellschaft ist es höchst suspekt, wenn am Tisch, am Tresen Menschen sich als Menschen begegnen und dabei die gesellschaftliche Hierarchie einebnen, und sei es nur für einige Stunden.

Mit Beginn der Industrialisierung wandelt sich die Schenke zur Arbeiterkneipe. Dabei geht es gar nicht nur darum, die Zumutungen des frühen Fabrik-Kapitalismus mit Schnaps und Bier für einen Abend vergessen zu machen. Weil Versammlungen unter freiem Himmel verboten sind, bieten sich Kneipen als Ort des Austauschs, der politischen Arbeit an. „Ohne die Kneipe hätte sich das Proletariat gar nicht als eigenständiges Subjekt konstituieren können“, hieß es einmal treffend in der 2007 eingestellten Berliner Stadtzeitung Scheinschlag.

Die Kneipe ist dabei immer auch ein kollektives Wohnzimmer, erst recht in der Stadt, wo die Wohnungen zu beengt sind. Dort geht es nicht per se freundlich zu – nicht alle müssen sich in die Arme fallen, nur weil sie nebeneinander wohnen, Raufereien kommen vor. Aber die Kneipe gibt den Bewohner:innen ein Gefühl der Zugehörigkeit, das die Klassengesellschaft ihnen verwehrt. Die Kulturarbeiter:innen des 20. Jahrhunderts setzen diese Tradition fort. Das Bürgertum ist zwar – immer mit sicherem zeitlichen Abstand – auf all die Werke aus Kunst, Literatur, Musik stolz, die an eben diesen Orten entstanden sind. Aber die Orte sind ihm bis heute suspekt. Es erträgt die in heiterer Hemmungslosigkeit produktive Durchmischung nicht.

Die städtische Bar der 2000er und 2010er Jahre steht hier durchaus in der Tradition der Arbeiter- und Kulturarbeiterkneipe. In ihr Treffen sich die Informations- und Symbolarbeiter:innen der postfordistischen Gesellschaft. Der Tresen wird zum Katalysator, an dem Einfälle aufeinander treffen und sich zu Ideen verdichten, umso mehr, als Arbeit und Freizeit zunehmend entgrenzt sind.

Das neoliberale Mindset kann die Bedeutung von Bars als Kulturorte nicht begreifen, und es kennt auch das Konzept eines sozialen Raums nicht. Henri Lefebvre hat in „Die Produktion des Raumes“ darauf hingewiesen, dass Raum nicht einfach ein „Container, unabhängig von seinem Inhalt“ ist. Der soziale Raum, schreibt Lefebvre, „ist das Ergebnis einer Folge und einer Menge von Begebenheiten und kann nicht auf ein simples Objekt reduziert werden.“

So wie Bars und Kneipen nach innen ein gesellschaftlicher Mikrokosmos sind, prägen sie nach außen einen Platz, eine Straße, eine Kreuzung, zusammen mit anderen Gewerben. Sie alle erzeugen Bewegungen in diesem sozialen Raum, auf den ersten Blick unsichtbare Verbindungen, ein Gefüge aus menschlichen Beziehungen. Oder in Lefebvres Worten: „Die Form des sozialen Raums ist Begegnung, Versammlung, Gleichzeitigkeit.“

Auch in dieser Hinsicht sind Bars, Kneipen und andere Gewerbe nicht einfach folgenlos austauschbar. Verschwindet eine Inhaber-geführte Bar und wird durch eine solventere Systemgastronomie ersetzt, verändert sich das Publikum im sozialen Raum. Die Begegnung, die Versammlung ist nicht mehr dieselbe wie zuvor. Viele begreifen eine solche Veränderung erst nach einer geraumen Zeit, wenn sie unübersehbar geworden ist, und beklagen sie dann. Aber sie können sich die Veränderung, wenn diese noch bevorsteht, nicht vorstellen. Und flüchten sich in hilflose Phrasen, nichts habe eben Bestand, es sei „normal“, dass sich die Dinge verändern.

Steigende Gewerbemieten, aber eben auch Veränderungen im sozialen Gefüge haben seit langem einen enormen Druck auf Bars und Kneipen ausgeübt. In manchen Stadtteilen hat beides schon vor Jahren zu einem spürbaren Kneipensterben geführt. Pandemie-bedingte Insolvenzen könnten diese Entwicklung 2021 beschleunigen. Im Worst Case verliert die Stadt etliche in der Nachbarschaft verankerte Kulturorte.

In den äußeren Stadtteilen werden diese wahrscheinlich ersatzlos verschwinden, wie es in einem der ärmsten Stadtteile, in Dulsberg, bereits seit Jahren zu beobachten ist. In den inneren Stadtteilen werden sie in Teilen durch gastronomische Durchgangsorte für ein touristisches Publikum ersetzt, wie man sie in der Hamburger Hafencity findet. Dulsberg und Hafencity stehen exemplarisch für zwei Varianten einer Post-Pandemie-Stadt, in der etwas Wichtiges verloren gegangen ist: Leidenschaft, Nähe, Begehren, produktive Durchmischung jenseits gesellschaftlicher Hierarchien.

Die Corona-Pandemie ist eine letzte Chance, sich der neoliberalen Idiotien bewusst zu werden und sie abzuschütteln. Die Politik wird dies von selbst nicht tun. Es ist an der Gesellschaft zu sagen: bis hierher und nicht weiter.

Niels Boeing (Eine längere Version dieses Textes erschien in der Januar-Ausgabe des Magazins dérive)

Das Foto zeigt die Bar TGI Fridays in Manhattan 1966, eine der ersten Single-Bars in New York City, fotografiert von Sam Falk (1901 – 1991).

Von |2022-01-13T19:29:30+01:001. Juni 2021|Uncategorized|0 Kommentare
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