Die Lage fast drei Monate nach 2G-Beginn

2. Dezember 2021

Liebe Freund:innen der Barkultur, liebe Gäste,

vor fast drei Monaten begann der 2G-Betrieb auch in den Bars und Kneipen des barkombinats. Auch wenn er nicht für alle sofort umzusetzen war, hat er uns dann doch einige Wochen beschert, in denen das Barleben sich wieder fast so schön anfühlte wie vor der Pandemie. Strahlende Gesichter, sich munter leerende Gläser, großartige Stimmung. Danke an dieser Stelle an alle Gäste, die dieses Barleben wieder gefeiert haben.

Leider ist uns die vierte Welle nicht erspart geblieben. Seit Mitte November richtet sich die öffentliche Aufmerksamkeit wieder vermehrt auf die Infektionszahlen und aktuell auf die neu aufgetretene Virusmutation Omikron. Seit drei Wochen kaufen wir Barbetreiber:innen nur noch von Woche zu Woche ein, trauen uns kaum längerfristige Pläne zu machen, zu tief hängt das Damoklesschwert ‚Lockdown‘ wieder über uns allen. Damit steht unsere Branche natürlich nicht alleine da, uns hat sich das Bewusstsein im Zweifel als Erste geschlossen zu werden mit dem ‚Lockdown light‘ des vergangenen Jahres nur sehr eingeprägt.

Umso beruhigender war es nach unseren Wiedereröffnungen zu sehen, dass unsere Gäste uns nicht vergessen hatten, dass das Barangebot, als es im Frühsommer wieder möglich wurde, ziemlich schnell wieder rege genutzt wurde. Nicht wenige von uns standen in dieser Zeit angesichts der Nachfrage vor dem Problem des Personalmangels, der erst zum Herbst hin langsam an Brisanz verlor. Und nun stehen wir eigentlich wieder vor demselben Punkt wie vor etwa einem Jahr: Die Zahlen steigen, Gäste sind verunsichert, Weihnachtsfeiern werden abgesagt, die Betriebe leeren sich, nichts ist planbar. Der Personaleinsatz ist zwar allein aufgrund der Notwendigkeit der Nachweiskontrollen an den Türen gestiegen, man mag seinen Mitarbeiter:innen nach den mageren knapp zwei Jahren Corona auch kaum eine Schicht absagen, aber die Angst davor, nicht wirtschaftlich arbeiten zu können, wird wieder unangenehm groß.

Im Grunde weiß man kaum, was man sich wünschen soll bzw. was für die eigene Bar zurzeit das Worst Case Szenario ist. Natürlich möchten wir nicht schließen müssen, aber was nützt es, wenn kaum mehr Gäste mehr kommen? Abgesehen von der monetären Komponente ist die psychische Belastung, Abend für Abend im eigenen Betrieb zu stehen und das Schlimmste zu befürchten, nicht zu unterschätzen. Dass die Politik und speziell der Hamburger Senat gern mal mit weltfremden Beschlüssen für unsere Branche um die Ecke kommt, meist kurzfristig und ohne große Vorwarnung, lässt uns angesichts der Bund-Länder-Konferenzen, denen ja in der Regel eine Pressekonferenz des Senats folgt, wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange stehen.

Was machen wir denn, wenn dem Hamburger Senat die Beschlüsse des Bundes nicht weit genug gehen, wie in den letzten 1,5 Jahren wiederholt geschehen, und er beschließt, uns ab jetzt mit 2G plus Schnelltest zu reglementieren, was ja eigentlich erst mit einer höheren Hospitalisierungsrate vom Bund geplant war? Kontrolltechnisch für die Bars keine große Affäre, dass man sich dann neben Impf-/Genesenennachweis plus Ausweis dann eben noch einen Schnelltest zeigen lässt, aber wie soll das angesichts der stark abgebauten Testinfrastruktur denn umsetzbar sein? Es sind schließlich nicht nur potentielle Gastronomiebesucher:innen, die auf Tests angewiesen wären, dazu kommen auch noch die Menschen, die ihren Schnelltest aufgrund der 3G-Regel am Arbeitsplatz und im öffentlichen Nahverkehr benötigen, und das teilweise Tag für Tag.

Leider sieht es so aus, dass auch dieses Modell zum Scheitern verurteilt ist. Denn es fehlt die sehr gute Testinfrastruktur, die es im Sommer gab. Privat betriebene Testzentren dürfen jetzt nicht wiedereröffnen. Das Testen hängt nun ausschließlich an Apotheken, Arztpraxen und einigen wenigen öffentlichen Teststationen. Deren Slots sind schnell ausgebucht, so dass für viele Gäste die gerade zurückgewonnene Spontaneität des Barbesuchs wieder futsch ist. Selbst-Schnelltests können das mangelnde offizielle Testangebot nicht ersetzen, da nicht verifizierbar ist, wer da getestet wurde (es sei denn, eine Bar führt diese Tests bei den Gästen selbst durch, was aber nicht für alle Bars funktioniert). Sollte 2G+ seitens der Politik verpflichtend werden, braucht es ein viel größeres Testangebot. Dass dieses Angebot nicht längst geschaffen wurde, ärgert uns echt. Wir versuchen wirklich alles, damit ihr schöne und sichere Abende in unseren Bars und Kneipen haben könnt. Aber wir können nicht zaubern – keine besseren Testangebote herbeizaubern, und das Virus wegzaubern schon gar nicht.

Seid vorsichtig, bleibt gesund!