Moin Hamburg, wie geht es uns?

12. Mai 2021

Ein Jahr Corona später, und fast nichts hat sich für uns Barbetreiber:innen geändert. Nachdem wir im Herbst letzten Jahres presse- und politiktechnisch zum Pandemietreiber und somit als durchregulierungswürdig eingestuft wurden, hat die reine Schließung der Gastronomie- und Kulturwelt im November letzten Jahres eines deutlich gemacht: Pandemietreiber:innen waren wir nicht. Trotz Einstellung der Barbetriebe gingen die Inzidenzen fröhlich weiter nach oben, trotz Stillegen des gesamten Freizeitsektors bekam man den Infektionszuwachs nicht in den Griff.

In den übrigen Teilen der Wirtschaft mochte die Politik nicht so recht eingreifen. Statt eines kurzen echten Lockdowns mit Einschränkungen in ALLEN Bereichen wurde monatelang ein ‚Lockdown light‘ verhängt, der uns Barbetreiber:innen zum sogenannten ‚Sonderopfer‘ nötigte und uns damit zu Bittsteller:innen gegenüber Vermieter:innen, Arbeitsämtern und Politik degradierte.

Das ist in doppelter Hinsicht seltsam: Während uns die Politik sagt, wir seien auf keinen Fall auch Kulturorte, rechnet sie uns dann indirekt doch nicht wieder der Wirtschaft zu, die alles in allem vom Lockdown unbehelligt blieb. Darüber wird noch zu reden sein. Wir erinnern uns: Letztes Jahr im Mai ging es ohne Vorabinformationen ganz plötzlich wieder los mit gastronomischen Öffnungsszenarien, und das unter haarsträubenden Bedingungen. Die meisten von uns waren so froh, wieder loslegen zu dürfen, dass sie sich davon nicht haben einschüchtern lassen, es wurde sich gegenseitig Hilfestellung geleistet, man suchte sich seine Informationen aus Verordnungen und Gesprächen mit diversen Ämtern zusammen, überlegte sich Mittel und Wege, Kontaktdaten vernünftig erfassen zu können und die Betriebe hygienesicher zu machen.

Unsere Bemühungen wurden an allen Ecken und Enden kontrolliert, die Nichteinhaltung der Hygieneregeln auch von Gastseite den Barbetreiber:innen zur Last gelegt. Demgegenüber stehen die ‚Empfehlungen‘ der Politik an Arbeitgeber:innen anderer Bereiche – wo für unsere Branche längst Arbeitsweisen kontrolliert wurden und ein Bußgeldkatalog existierte, mochte die Politik in Büros kaum mehr Maskenpflichten aussprechen oder Homeoffice vorschreiben geschweige denn kontrollieren. Dieses Szenario scheint ab Juni wohl in die zweite Runde zu gehen. Rund um Hamburg wird die konkrete Öffnung der Gastronomie zumindest besprochen, und zwar sowohl für Außen- als auch für Innenräume. Für welche Betriebe ein reines Öffnen der Außenflächen überhaupt Sinn macht, steht, besonders vor den auch in diesem Jahr nicht besonders kooperationsbereiten Bezirksämtern, mit denen nun erneut ein Ringen um (zusätzliche) Außenflächen ansteht, auf einem gesonderten Blatt.

Aber SCHON WIEDER werden wir vor dem Problem stehen, dass es Regeln für die Gastronomie bezüglich Haushalten, Sperrstunden, Masken etc. geben wird, die die Menschen in Parks oder Ähnliches treiben dürften, wo diese Arten der Reglementierung nicht stattfindet. Wieder werden wir uns Gedanken machen dürfen, wie es mit der Aufnahme der Kontaktdaten laufen soll, da immer noch keine einheitliche (digitale) Lösung gefunden wurde. Hinzu kommt nun auch noch das Erfassen der Ergebnisse von Schnelltests bzw. die Kontrolle von Impfausweisen.

Personalausweise dürfen wir nicht verlangen, aber ein Testzertifikat oder Impfausweis ist ohne einen Personalausweis zum Namensabgleich das Papier nicht wert,auf dem es steht. Unter diesen doch recht wackeligen Umständen sollen wir und unsere Mitarbeiter:innen uns dann in den Gästekontakt begeben und das aller Voraussicht nach auch noch ungeimpft, weil Mitarbeiter:innen des Gastgewerbes keiner Priogruppe angehören? Selbst wenn einige von uns es schaffen, sich die erste Dosis Astra noch im Mai abzuholen, ist der vollständige Impfschutz erst ab Mitte/Ende August zu erwarten. Die Stadt Hamburg bietet uns also, mal wieder, keinerlei nennenswerte Perspektiven an, ist immer noch nicht in der Lage, mit uns zusammen an Öffnungsszenarien zu arbeiten, die allen das Leben erleichtern würde. Dann kann man nur hoffen, dass wir dieses Jahr nicht wieder spontan in einem Nebensatz der Pressekonferenz erfahren, wie es nun mit uns weitergehen soll.