Hey Senat, wir müssen über Unternehmerlöhne reden.

14.4.2021 – Seit November letzten Jahres sitzt die Hamburger Bar- und Kneipenlandschaft buchstäblich auf dem Trockenen.

 

Nach knapp einem halben Jahr ohne Umsätze ist es alleine schon eine Herausforderung, die Fixkosten der Betriebe zu stemmen, die derzeit per Überbrückungshilfe III gefördert werden. Die Reserven sind weg und ein Unternehmerlohn ist im Programm der ÜIII nicht vorgesehen. Das sah im letzten Jahr schon ähnlich aus: Die Soforthilfe der ersten Pandemiemonate wurden als sogenannte zweckgebundene Gelder ausgezahlt und auch in den Überbrückungshilfen I und II durfte privater Bedarf nicht eingerechnet werden.

 

Eine einmalige Form von Unternehmerlohn tauchte in der November- und Dezemberhilfe auf. Die erste und bisher einzige finanzielle Unterstützung, die wirklich einen Teil des Schadens regulieren konnte. Doch auch hier musste man sehr vorsichtig sein, auch diese Hilfen galten als zweckgebundene Gelder. Bedeutet: In dem Moment, in dem etwas davon auf dem privaten Konto landete, wurde es als Einnahme betrachtet und von der Grundsicherung, auf die wir reihenweise verwiesen wurden, abgezogen. Bitte nicht falsch verstehen: Grundsicherung ist eine sinnvolle Sache, die einige von uns in den letzten Monaten wirklich vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Aber wie kann es sein, dass Unternehmer:innen, denen ihr Unternehmen untersagt wird, in die Situation kommen, eine persönliche Bedürftigkeit darlegen zu müssen?

 

Daran, dass von Seiten der Politik in nunmehr über einem Jahr keine dauerhafte verlässliche wirtschaftliche Hilfe gekommen ist und mehr nach dem Gießkannenprinzip gehandelt und zu Teilen wirklich absurde Förderungsbedingungen an Gelder geknüpft wurden, hat sich unsereins ja schon fast gewöhnt. Unsere Betriebe interessieren hier nicht so recht, Kneipen und Bars sind weit unten in der Nahrungskette, austauschbar, verzichtbar, wir haben es verstanden.

 

Aber wie sieht es denn mit den ganz privaten Existenzen aus? Für die private Existenzsicherung müssen Selbständige Arbeitslosengeld II beantragen. Der Zugang wurde deutlich erleichtert, aber es fallen immer noch viele Unternehmensinhaber:innen, Freiberufler:innen und Solo-Selbstständige durchs Raster, da es keine Corona-spezifischen Änderungen bei der Betrachtung der Bedarfsgemeinschaften gegeben hat. Wenn also „nur“ das Einkommen eines selbständigen Mitglieds der Gemeinschaft wegfällt, das Einkommen der anderen Person(en) aber dazu ausreicht, die Existenz aller Mitglieder zu sichern, besteht kein Anspruch auf Leistungen. Tatsächlich hätten wir längst eine umfassende Arbeitslosenversicherung für Selbstständige gebraucht, die den unmittelbaren Weg in die Grundsicherung vermeidet. Aber das Kind ist in den Corona-Brunnen gefallen und wird uns durch diese Zeit so oder so nicht mehr helfen können.

 

Einzelne Bundesländer wie zum Beispiel Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg wichen von diesen Vorgaben des Bundes ab und finanzierten aus Landesmitteln einen sogenannten fiktiven Unternehmerlohn. Die Stadt Hamburg hat sich hier, wie so oft in letzter Zeit, wenn es um die Unterstützung ihrer Gastronomie ging, in hanseatischer Zurückhaltung geübt.

 

Dementsprechend fordern wir von der Stadt Hamburg die Schaffung eines Unternehmerlohns, der nicht an Bedingungen geknüpft, sondern an die Lebensumstände der UnternehmerInnen angepasst wird. Das würde die Jobcenter entlasten, die mit der Masse an Kurzarbeitergeld-Anträgen sowieso schon ihre liebe Mühe haben und unverschuldet in private Existenznot geratene Betriebsinhaber:innen nicht zu Bittsteller:innen gegenüber dem Sozialstaat werden lassen.

So sieht's aus. Zur Lage der Bars

29.3.2021 – Wir haben Ende Februar die Mitglieder des barkombinats gefragt, wie die Lage ist. So ist die Lage.

 

Etliche Bars nannten in einer weiteren Frage Unternehmerlohn und Gewerbemiete als drängende Probleme.

 

Keine Bar hat von der gesetzlichen Regelung zur Gewerbemiete vom 23.12.2020 Gebrauch gemacht, die Gerichten nahelegt, bei Forderungen nach Mietnachlass an Vermieter*innen zugunsten der Gewerbetreibenden zu entscheiden. Denn natürlich hat niemand Lust, Klage einzureichen, wenn man nach Ablauf des Gewerbemietvertrags einen neuen haben will. Damit erweist sich die Regelung als zahnlos.

Moin Senat, wir müssen über Öffnungsszenarien reden

20.3.2021 – Alleine der Umstand, dass Barbetreiber*innen lediglich bis zu 90% der Fixkosten als Unterstützung erhalten, OHNE die Möglichkeit Unternehmerlöhne geltend zu machen, macht es unumgänglich, dass uns eine Möglichkeit zum Überleben geboten wird. Woher sollen die fehlenden 10% denn kommen? Rücklagen sind im letzten Jahr längst in die Betriebe geflossen. Wovon sollen wir leben?

 

Aber die bloße Forderung nach der Öffnung des Gastgewerbes scheint uns im Barkombinat etwas zu kurz gegriffen. Um eins gleich klarzustellen: Jeder einzelne von uns möchte seinen Betrieb wieder öffnen und vermisst seine Arbeit sehr, es stellt sich allerdings die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein Betreiben überhaupt möglich sein könnte.

 

Es wurde uns von Seiten der Politik schon mitgeteilt, wir sollten uns auf Öffnungsszenarien mit Schnelltests vorbereiten. Es wird ebenfalls über eine Testpflicht für Mitarbeiter gesprochen. Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Wer kommt für die Kosten auf? Noch bewegen sich die Schnelltests nicht in einem Preissegment, das man schnell über Getränkepreise wieder reinholen könnte. Zumal davon auszugehen ist, dass wir trotz allem die Abstände in den Räumen weiter garantieren müssen und so unsere Kapazitäten immer noch nicht wieder voll ausschöpfen können. Bedeutet, wirtschaftlich arbeiten können wir immer noch nicht, aber eine weitere finanzielle Belastung käme on top?

 

Die meisten Tests garantieren nur eine nicht infektiöse Zeit von bis zu 8 Stunden, eine Barschicht (und zuweilen auch ein Barbesuch) kann deutlich länger gehen. Okay, dieses Problem wird uns möglicherweise durch eine erneute Sperrstundenauflage abgenommen.

 

Jens Spahns entzückende Idee mit dem kleinen Zelt vor jeder Gastronomie, unter dem sich die testwilligen potentiellen Gäste tummeln, denen vorab schon mal ein kleiner Aperitif gereicht wird, während ein/e Freiwillige/r des Barteams mit Schnelltest-Spuckeröhrchen hantiert, ist wohl das weltfremdeste seit der Annahme, in der CDU gäbe es seit der Unterzeichnung des sogenannten Ehrenpapiers keine Korruption mehr. Wie wäre es, solche Szenarien mal zu Ende zu denken, bevor man sie als umsetzbar in den Raum wirft? Oder, ganz abwegig: Wie wäre es, endlich mal Personen aus den betroffenen Branchen um ihre Expertise zu bitten?

 

Warum wir diese Fragen jetzt schon stellen? Weil uns im letzten Jahr, als wir wieder öffnen durften, sämtliche Anschaffungen und die Umsetzung der Auflagen kostentechnisch und unter Strafandrohung aufs Auge gedrückt wurden. Es ist zu befürchten, dass genau dieser Weg wieder beschritten wird. Wir verwehren uns bereits jetzt diesem angedachten Szenario, selber für die Durchführung von Schnelltest verantwortlich zu sein.

 

Ganz abgesehen von den Kosten für die Tests und für den extra Mitarbeiter, der vor der Tür zum Testen abgestellt werden muss (vom Risiko für eben diesen Mitarbeiter ganz zu schweigen), wie soll es möglich sein, eine Gruppe von Menschen, von denen niemand weiß, wie das Testergebnis der Einzelnen schlussendlich ausfällt, vor der Bartür auf Abstand zu halten? Momentan ist es offiziell verboten, Corona-positive Personen zu bewirten, damit fällt die Idee des kleinen Aperitifs, während auf das Ergebnis gewartet wird, von vornherein schon ins Wasser.

 

Es kann nicht wieder so laufen, dass jeder Betrieb auf Basis seiner eigenen Interpretation der Verordnung sein eigenes Süppchen kocht und die einzige Aufgabe der Stadt darin besteht, die Kontrollinstanzen zur Einhaltung der Auflagen zu stellen. Deshalb fordern wir vom Hamburger Senat:

 

* Eine stadtweite Infrastruktur für kostenlose Schnelltests.

 

Barpersonal und Gäste können sich in kleinen Testzentren auf öffentlichen Plätzen am frühen Abend schnell und unkompliziert testen lassen.

 

* Eine stadtweite App für Gästeregistrierung und Schnelltest-Ergebnisse.

 

Bereits jetzt gibt es verschiedene Apps, die eine schnelle und unkomplizierte Registrierung der Gäste ermöglichen. Erweitert um die Dokumentation von Schnelltest-Ergebnissen, könnte eine App den Gesundheitsämtern die Kontaktnachverfolgung erleichtern, um zu verhindern, dass die Infektionsketten nicht nachvollziehbar sind. Diese App wäre idealerweise für alle Branchen, die ein wechselndes Publikum haben, dieselbe: Bars, Clubs, Restaurants, Theater, Kinos, Museen… Wir brauchen allerdings darüber hinaus auch praktikable Lösungen für Menschen, die über kein Smartphone verfügen. Und es muss vorab geregelt sein, dass die Aufweichung des Datenschutzes, ohne die diese ganzen Verfahren einfach nicht möglich sein werden, ein klares Verfallsdatum bekommt.

 

* Eine stadtweite Impfkampagne für alle, die in Dienstleistungsbranchen mit wechselndem Publikum arbeiten.

 

Schnelltests für Mitarbeiter*innen sind für den Anfang eine Möglichkeit. Sinnvoller ist es, alle, die in ihrem Job mit vielen Menschen in Kontakt kommen – Barpersonal, Busfahrer*innen, Bedienungen, Verkäufer*innen, Kassierer*innen und viele andere mehr – in den kommenden Wochen in die Impfkampagne mit aufzunehmen. Schnelltests bieten nur für acht Stunden Sicherheit – Impfungen für Monate. Das würde allen Mitarbeiter*innen den Druck nehmen, und sie könnten sich unbelastet ihrem Job widmen. Idealerweise ließe sich auch diese Imfpung in der App dokumentieren, vorausgesetzt, dass dies datenschutz-konform möglich ist. Senat und Behörden sollten hier auf die Expertise des Datenschutzbeauftragten hören und gegebenenfalls externe Expertise, etwa vom Chaos Computer Club, mit einholen.

 

Der Hamburger Bürgermeister würde noch nicht über eine Wiedereröffnung des Gastgewerbes nachdenken heißt es. Okay, das ist ja angesichts der steigenden Zahlen zur Zeit nicht mal verwunderlich. Aber über eine Strategie muss man JETZT sprechen und die Weichen richtig stellen, mithilfe derer eine Wiedereröffnung zügig wieder möglich gemacht werden kann.

Moin Senat, wir müssen über Gewerbemieten reden.

27.2.2021 - OK, wir wissen, dass du nicht gerne redest. Seit knapp einem Jahr hüllst du dich der Gastronomie gegenüber in Schweigen. Abgesehen von einer Beteiligung an der Soforthilfe im letzten Frühjahr, wo jedes Bundesland das Geld des Bundes mit seinem Anteil ergänzt hat, ist von dir nichts mehr gekommen. Gar nichts. Das ist schon ziemlich traurig und reichlich desillusionierend. 

 

Wirklich richtig deutlich wird deine Einstellung den Bars und Kneipen gegenüber an der Tatsache, dass allen voran die städtischen Vermieter*innen wie SAGA, Sprinkenhof oder auch die Steg als Verwalterin keinerlei Entgegenkommen bezüglich der Miethöhen erkennen lassen. Wie kann das sein?

 

Dein „Hamburger FAIRmiet Appell“ vom 23. November 2020 (Link unten) verhallt offensichtlich gerade in den eigenen Reihen ungehört. Wäre es nicht DIE Gelegenheit gewesen, hier mit gutem Beispiel voranzugehen?

 

Stattdessen klopft man sich selbst auf die Schulter ob der großzügigen Stundungsvereinbarungen.

Müssen wir wirklich noch irgendjemandem erklären, dass Stundungen von Mietkosten, die weiterhin geschuldet sind, nichts anderes sind als ein Tod auf Raten? Wann sollte man wohl diesen Schuldenberg wieder abtragen können? Selbst wenn irgendwann wieder unter wirtschaftlich haltbaren Bedingungen gearbeitet werden kann, werden die Margen nicht hoch genug sein.

 

Abgesehen davon sind die Gewinne, die uns jetzt entgehen, nicht aufzuholen. Kein einziger im letzten Jahr nicht georderter Drink wird in diesem Jahr zwei mal getrunken werden! Dementsprechend sind die Hilfen, die uns erreichen, zu einem sehr großen Teil nichts anderes als eine Wirtschaftsförderung der Immobilienbranche, dieses Geld wird quasi „durchgereicht“.

 

Und da ist etwas grundsätzlich faul. Warum müssen sich nicht auch Vermieter*innen an dem Spiel um den Nachweis von Verdienstausfällen und dem Stellen von Hilfeanträgen beteiligen, warum haben ausgerechnet sie einen unangefochtenen Anspruch auf ihren Gewinn?

 

Es wird selbstverständlich auch in dieser Branche Fälle geben, in denen Darlehensverträge und Verbindlichkeiten bedient werden müssen und die Mieteinnahmen das Überleben sichern, das möchten wir niemandem absprechen. Aber genauso wie nicht jeder gastronomische Betrieb Anspruch auf Hilfeleistungen hatte und hat und die Beweislast, eben diesen Anspruch zu haben, bei den einzelnen Betrieben liegt, hat es einen faden unsolidarischen Beigeschmack, der Immobilienbranche durch die gegenwärtige Formulierung des Gewerbemietrechts ihren Gewinn zu garantieren.

 

Deshalb, Senat, ruf bei den städtischen Gewerbevermieter*innen SAGA und Sprinkenhof an, bei der STEG Hamburg, die städtische Gewerbeflächen verwaltet, und sprich ein deutliches Wort:

Mietnachlass für alle Mieter*innen von städtischen Gewerbeflächen rückwirkend zum 1. Januar 2021! Auf dass die privaten Vermieter*innen sich ein Beispiel nehmen.

 

Der Hamburger FAIRmiet Appell: https://www.hamburg.de/pressearchiv-fhh/14673978/2020-11-23-fb-bwi-bsw-corona-fairmiet/

2021 muss anders werden!

1.2.2021 – Das Katastrophen-Jahr 2020 darf sich nicht wiederholen.

 

Wir fordern*:

  • Rechtzeitige Informationen über geplante Lockerungen der Corona-Verordnungen, mindestens eine Woche vor Veröffentlichung
  • Einbindung des Barkombinats in die Formulierung von Hygiene-Regeln für Bars und Kneipen für die Wiedereröffnung
  • Anerkennung von Bars und Kneipen als Kulturorte
  • Einen Unternehmerlohn für Betreiber*innen von Bars und Kneipen, solange sie nicht wirtschaftlich arbeiten dürfen, nach dem Vorbild von Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen
  • Einsatz des Bundeslands Hamburg für eine schnelle und grundlegende Reform des Gewerbemietrechts bei Katastrophen-Fällen wie einer Pandemie

* Zu jeder Forderung haben wir als Barkombinat detaillierte Ideen. Leider haben wir trotz mehrfacher Bitten bisher nicht die Chance bekommen, sie Senat und Behörden direkt zu erläutern. Auch das muss sich ändern!

Spenden ans barkombinat Hamburg

14.1.2021

 

Liebe Freund*innen der Hamburger Barkultur,

 

wir sind in den vergangenen Monaten immer wieder mal gefragt worden, wie man dem barkombinat Hamburg e.V. unter die Arme greifen kann. Deshalb haben wir jetzt die Möglichkeit geschaffen, uns per Paypal bei zukünftigen Aktionen zu unterstützen.

 

http://paypal.me/barkombinat

 

Damit könnt ihr uns direkt dabei helfen, das barkombinat Hamburg e.V. als eine feste Vertretung für die Interessen von inhabergeführten Schankwirtschaften, Bars und Kneipen in unserer Stadt zu verankern und die zukünftige Organisation und Struktur des Vereins zu stärken. Die Mitgliedschaft ist kostenlos und alle Mitwirkenden arbeiten ehrenamtlich.

 

Wenn ihr eure Lieblingsbar gezielt unterstützen möchtet, findet ihr zahlreiche Möglichkeiten über facebook, instagram und betterplace.org oder betterplace.me, die unsere Mitglieder eingerichtet haben. Unten sind alle Bars aus dem Barkombinat aufgelistet, schaut mal auf deren Facebook- oder Instagram-Seiten, ob sie eine Hilfsaktion gestartet haben.

 

Kommt gut durch die dunkle Jahreszeit und passt auf euch auf!

 

Euer barkombinat Hamburg e.V.

NO-vember

1.12.2020 – Der "Lockdown light" geht in die Verlängerung. Wirklich daran geglaubt, nach vier Wochen wieder öffnen zu dürfen, hat von uns Barbetreiber*innen sowieso niemand. In den meisten Fällen wurde den Gästen in der letzten Oktoberschicht vorsichtshalber schon mal ein Frohes Fest und ein Guter Rutsch gewünscht. Außerdem wurden uns Zusagen gemacht: 75 Prozent des Umsatzes des Vorjahresmonats sollten uns als Entschädigung zugehen, um die ausgefallenen Novembereinnahmen auszugleichen. 

 

Diese Maßnahme soll nun aufgrund der Verlängerung für den Dezember andauern, und prompt ploppen kritische Stimmen auf, die behaupten, diese Zahlungen wären maßlos übertrieben, und die Gastronom*innen würden sich mithilfe staatlicher Zuwendung bereichern. So aktuell auf Spiegel online oder in der Welt am Sonntag nachzulesen, die die Zweifel des neoliberalen Instituts der deutschen Wirtschaft nachbeteten. Interessante Sichtweise? Nein, eigentlich nicht interessant. Eher eine Frechheit.

Dröseln wir das einmal auf.

 

1. Die Novemberhilfe war überhaupt erst ab dem 25. November zu beantragen. "Schnell und unbürokratisch" sollte sie kommen. Davon kann wirklich nicht die Rede sein. Beantragt werden müssen die Gelder erneut über einen sogenannten "prüfenden Dritten" – was in der Regel ein*e Steuerberater*in ist. Die langen an der Stelle gerne mal ordentlich hin, wohlwissend, dass die Gastronom*innen nicht um sie herumkommen, um ihre Anträge zu stellen. Da werden durchaus vierstellige(!) Summen fällig. Diese Kosten konnte man bei der Überbrückungshilfe zwar anteilig geltend machen – bei der Novemberhilfe hingegen nicht. Wozu das Prozedere nötig ist, da das Finanzamt ja sowieso alle Zahlen und Umsätze hat, auf deren Basis diese Hilfen vergeben werden, erschließt sich nicht so richtig.

 

2. Die Novemberhilfe wird nun hier und da kritisiert, weil die Gastronom*innen 75 Prozent des UMSATZES und nicht des GEWINNS erhalten. Leider völlig ungeeignt für eine Branche, die angesichts astronomischer Gewerbemieten, personalintensivem Geschäft und hoher Wareneinsätze mit so geringen Gewinnmargen arbeiten muss, dass für viele sogar die Bildung von Rücklagen unmöglich war. Und im März hat aufgrund der Schließung von einem auf den anderen Tag auch niemand danach gefragt, wie hoch unser Verlust an weggeworfenen Waren aufgrund des Lockdowns war, ob man uns das irgendwie ersetzen darf. Der Lockdown light hat uns zumindest ein paar Tage Vorlaufzeit gelassen, und wer schlau war, hat im Oktober sowieso nur noch von Tag zu Tag eingekauft, um den Verlust für den sich abzeichnenden Lockdown light so gering wie möglich zu halten. Aber auch hier hat es Verluste in Form von abgelaufenen Waren geben, die wir nirgends geltend machen können.

 

3. Von der Novemberhilfe ist bis heute, 1. Dezember, noch KEIN CENT auf einem Konto eingegangen. Das heißt: Die Barbetreiber*innen sind – wieder einmal - in Vorleistung gegangen, was Miete, Gehälter und sonstige Fixkosten anbelangt. Manch eine*r watet schon seit Monaten durch rote Zahlen. In Vorleistung zu gehen, ist alles andere als einfach, wenn man wochenlang dank Sperrstunde und Zwei-Haushalteregel nur noch den Bruchteil eines Bruchteils an Umsatz machen konnte. Von den Löchern, die das Frühjahr aufgerissen hat, und dem Geld, das in Hygienemaßnahmen investiert wurde, ganz zu schweigen. Die Überziehungszinsen werden ebenfalls nirgends geltend gemacht werden können.

 

4. Die Überbrückungshilfen waren gelinde gesagt nicht einmal der Tropfen auf dem heißen Stein. Das ist auch daran zu erkennen, dass der größte Teil der Novemberhilfe aus den Töpfen der nicht abgerufenen Überbrückungshilfen gezahlt wird. Von den vorgesehenen 25 Milliarden Euro für die Überbrückungshilfe I wurde nur etwas mehr als fünf Prozent ausgezahlt. Von der bis Ende des Jahres laufenden Überbrückungshilfe II wurde bislang noch viel weniger abgerufen. Damit ist die Novemberhilfe die erste wirkliche Hilfe, die die Gastronomie seit einem Dreivierteljahr erreicht.

 

Erstmalig könnte bei der Novemberhilfe überhaupt ansatzweise von einer Art Unternehmerlohn gesprochen werden. Denn die privaten Kosten der Betreiber*innen konnten bisher weder bei der Sofort- noch bei der Überbrückungshilfe geltend gemacht werden. Hier wurden wir auf Grundsicherung verwiesen. Natürlich sind wir für die bisherigen Hilfen dankbar, keine Frage. Man darf nur leider nicht davon ausgehen, dass diese es der Barbranche erlauben würden, sorgenfrei durch den Winter zu tanzen. Dazu ist in diesem Jahr einfach zu viel Schaden entstanden.

 

Und das nicht nur auf der monetären Seite. Der fade Beigeschmack, die eigene Branche seit Wochen nun wieder brachliegen zu sehen, weil wir das "Sonderopfer" bringen müssen, damit die Wirtschaft weiterläuft, bleibt. Seit wann ist die Gastronomie eigentlich kein Teil der Wirtschaft?

Die Zahlen sind dramatisch, Kontaktbeschränkungen müssen sein, keine Frage. Bei Dreiviertel der Infektionen kann nicht mehr nachvollzogen werden, wo sie herkommen. Aber als Pandemietreiber galt keine der nun geschlossenen Branchen, weder die Gastronomie noch die Kulturbetriebe. Anstatt Hygienemaßnahmen in allen gesellschaftlichen Bereichen durchzusetzen, soll die Kontaktreduzierung nur im"Freizeitbereich" stattfinden.

 

Ist ja schön zu hören, wenn das eigene Berufsfeld nicht als "Arbeit" zählt, wenn die eigene Branche zum Luxusgut "Freizeit" erklärt und wirtschaftlich nicht ernstgenommen wird. Und beim Anblick überfüllter HVV Busse und voller Einkaufszentren fragt man sich schon, ob zur Arbeit fahren und Einkaufen gehen politikerseits als der Sinn des gesellschaftlichen Lebens verstanden werden.

 

Dieser November ist ein NO-vember. Den Absturz der Bar- und Kneipengastronomie wird er nicht aufhalten, wenn nicht noch ein Wunder geschieht.

Trockengefallen – ein letzter Bericht vom Aralsee der Gastronomie

27.10.2020 – Es ist alles gesagt, jedes Argument vorgebracht, jede Kritik begründet, jede Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, gesucht worden. Die Bilanz ist ernüchternd.

 

Ob es eine nach monatelangem Hinhalten erfolgte Einladung ins Rathaus war, die dazu dienen sollte, sich um besonders betroffene Branchen zu kümmern - nach der nie wieder in irgendeiner Form Kontakt aufgenommen wurde, um Rückmeldung zu geben wie es denn nun weitergehen soll.

 

Oder ob es ein Termin mit dem Bezirksamt Mitte mit dem Bezirksamtleiter war, von dem man sich versprach, einmal über gemeinsame Lösungsansätze bezüglich der Hygieneverordnung für die Barwelt zu reden, bei der sich der angekündigte Gesprächspartner aufgrund häuslicher Quarantäne entschuldigen ließ, uns aber unglücklicherweise beim Verlassen des Gebäudes in die Arme lief.

Ein großer Denkfehler unsererseits war davon auszugehen, dass der Senat den Nutzen von Ansprechpartner*innen einer Branche, die ihm ja ganz offensichtlich Schwierigkeiten bereitete, erkennen würde.

 

Aber es gibt absolut und gar kein Interesse von politischer Seite, diese Pandemie solidarisch zu bekämpfen. Es gibt kein Miteinander und Füreinander, durch diese Zeit zu kommen. Die Bars und Kneipen inklusive ihrer Betreiber*innen sind der Stadt Hamburg völlig gleichgültig.

Wie kann es sein, dass wir nach all den Monaten wieder auf dem gleichen Stand sind wie im Mai? Was haben unsere Politiker während der Sommerpause eigentlich gemacht? Die gegebene Situation kommt ja nicht mal im Ansatz überraschend.

 

Wie kann es sein, dass für Herbst und Winter KEINE Konzepte und Lösungsvorschläge seitens der Politik kamen (und das ja nicht nur für unsere Branche)? Wie kann es sein, dass schlicht wieder undifferenziert mit Einschränkungen durchregiert wird, ohne die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Monate miteinzubeziehen? Wie kann es sein, dass die Stadt Hamburg, was das Infektionsgeschehen in Bars anbelangt, nach wie vor keine Quelle nennen kann, auf die sie ihre Annahme stützt, gerade diese Branche streng durchregulieren zu müssen?

Die Sperrstundenregelung vorletzte Woche wurde Freitags beschlossen und direkt Samstags umgesetzt. Mman hat uns nicht mal mehr das komplette Wochenende Umsatz 'gegönnt'.

 

Dann wurde am Freitag unser letzter Sargnagel, die 2-Haushalte-Regel, verkündet. Diese trat allerdings erst gestern in Kraft, denn Sonntag war schließlich verkaufsoffener Sonntag, dem möchte man ja nicht im Wege stehen.

In den letzten 24 Stunden haben einige Bars bereits ihren Betrieb eingestellt. Die 2-Haushalte-Regel bricht ihnen endgültig das Genick. Müßig noch einmal zu betonen, dass Menschen sich immer treffen werden und die Gastronomie durch die Nachverfolgbarkeit der Infektionsketten und die Hygienevorgaben ein sichereres Umfeld bieten kann als der Privatbereich, der wissenschaftlich längst als Hauptquelle der Infektionen ausgemacht wurde.

 

Ebenfalls überflüssig die Anmerkung, dass den Bars mit Sicherheit auch die Verantwortung für die Einhaltung dieser Regel aufgedrückt wird, selbstverständlich unter Androhung von hohen Bußgeldern. Die polizeilichen Kontrollen, die vornehmlich doch eigentlich dazu dienen sollten, den Infektionsschutz zu überwachen, wichen in sehr vielen berichteten Fällen längst Gängelei und Schikane, in denen Barbetreiber*innen von falsch stehenden Hockern bis zu angeblicher Schwarzarbeit alles angemahnt und unterstellt wurde, zum Teil wurden Bars mehrfach an einem Abend kontrolliert. Kein Wunder, dass den Behörden bei der miserablen Absprache das Personal fehlt, sich differenziert mit einer Branche zu befassen.

 

Der Senat hat das Kunststück vollbracht und kann sich an dieser Stelle wirklich selbst auf die Schulter klopfen: eine Branche wirtschaftlich lahmzulegen und handlungsunfähig zu machen, ohne selbst die Schließung zu verlangen, die ja eventuell eine Frage nach Unterstützung hätte aufkommen lassen, Chapeau!

 

Dennoch: Dies ist noch nicht das Ende. Ihr werdet von uns hören. Stay tuned!

Zur Sache: bundeseinheitliche Sperrstunde

15.10.2020 – Wir als Barkombinat stellen die Verhältnismäßigkeit einer bundesweit einheitlichen Sperrstunde um 23:00, die gestern für den Fall einer lokalen Sieben-Tage-Inzidenz über 50 beschlossen wurde, aufs Schärfste in Frage.

 

Warum? Aus drei Gründen:

 

1. In dem durch die Sperrstunde verkürzten Zeitfenster könnten sich mehr Gäste als zuvor im selben Zeitraum sammeln (Sitzplatzbeschränkungen aufgrund von Hygieneregeln immer vorausgesetzt), das Feiern würde sich in private Räume verlagern. Beides wäre kontraproduktiv.

 

2. Die vorhandene Verordnung dient ja bereits dem Zweck, Infektionen in der Gastronomie einzudämmen. Das hat seit Mai sehr gut geklappt, weil sich viele Bars an die Regeln hielten. Eine Sperrstunde würde alle bestrafen, die sich an die Regeln gehalten haben.

 

3. Der Anteil der gastronomischen Betrieben an neuen Infektionen wird derzeit auf fünf Prozent geschätzt. Es ist deshalb nicht zu erwarten, dass eine Sperrstunde eine nennenswerte positive Wirkung auf den weiteren Verlauf der Pandemie haben wird. Zur Erinnerung: Private Feiern tragen derzeit zu 40 Prozent der Infektionen bei.

Nicht umsonst haben zuletzt namhafte Virologen und Infektiologen betont, dass sie eine Sperrstunde für eine nutzlose Maßnahme halten.

 

Wir erwarten vom Senat, dass die Eindämmungsverordnungen zu den Hamburger Verhältnissen passen. Und die sind in der Bar-Gastronomie anders getaktet als etwa in Cloppenburg oder Wanne-Eickel. Sollte der Senat auf einer Sperrstunde bestehen, muss sie auf eine den Hamburger Verhältnissen angemessene Zeit gelegt werden, um Bars nun nicht auch noch neben der Gästakapazität die Hauptumsatzzeit zu nehmen. Bewirken wird sie so oder so nichts.

 

Manche mögen das föderale System mit seinen je nach Bundesland unterschiedlichen Lösungen als "zersplittert" empfinden. Wir meinen, dass die relative Eigenständigkeit der Bundesländer und erst recht der Stadtstaaten gut ist und der Bekämpfung der Pandemie nützt.

Angesichts der Tatsache, dass die Eindämmungsverordnung in Hamburg von den Bürger*innen bisher positiv aufgenommen wurde, sollte der Senat den Mut aufbringen, weiter auf die Akzeptanz der Bevölkerung zu setzen und Maßnahmen zu ergreifen, die zu den Hamburger Verhältnissen passen. Einschränkungen nach einem nationalen Gießkannenprinzip braucht Hamburg nun wirklich nicht.

Zur Sache: Corona-Kontrollen, unsere Forderungen

12.10.2020 – Nach den Corona-Kontrollen vom Wochenende überschlägt sich die Berichterstattung. Da ist von Betrugsversuchen von Gastronom*innen die Rede. Inwiefern tatsächlich von Betrug zu sprechen ist, können wir nicht beurteilen, weil vom barkombinat Hamburg niemand Augenzeuge war.

 

Den Razzien-Stil, in dem die Kontrollen von Behörden, Politik und Polizei durchgeführt wurden, finden wir allerdings hochproblematisch. Uns sind Fälle bekannt, in denen die Kontrollteams geradezu scharf darauf sind, Verstöße zu finden. In einem Fall haben sie es sogar darauf angelegt, Verstöße selbst zu produzieren. Oder anders gesagt: Barbetreiber*innen in eine Falle zu locken. Das hilft in der jetzigen Situation überhaupt nicht.

 

Weil wir unter dem letzten Post mehrmals gefragt wurden, was wir als barkombinat Hamburg fordern, hier noch einmal die Forderungen, die am 20. August Bürgermeister Tschentscher im Rathaus persönlich übergeben wurden:

 

1. Die Stadt Hamburg erkennt Bars und Kneipen als relevante Orte des Hamburger Kulturlebens an und nimmt sie ernst.

 

2. Sie geht ein echtes finanzielles Commitment ein, indem sie

• die Kosten zur Umsetzung der Hygienemaßnahmen erstattet,

• die Gastronom*innen rückwirkend für pandemiebedingte 
Umsatzausfälle entschädigt,

• für die kleinen inhabergeführten Betriebe rückwirkend Unternehmerlöhne zahlt und

• rückwirkend 50% der Gewerbemieten übernimmt.

 

3. Sie bindet in den kommenden Monaten Bars und Kneipen frühzeitig in weitere Verordnungen und Beschlüsse, die unsere Betriebe betreffen, ein. Denn wir sind inzwischen selbst Infektionsschutz-Experten für Orte, an denen Menschen zusammenkommen.

Von Seiten des Senats hat es bisher keine(!) Reaktion auf diese Forderungen gegeben. Auch Punkt 3, der nicht einmal etwas kostet, ist bisher nicht umgesetzt worden.

Sperrstunde?

8.10.2020 – Hamburger Senat erwägt also weitere Einschränkungen der Gastronomie. Selbst die Sperrstunde steht jetzt im Raum. Eine Schnapsidee, wie wir finden.

 

Die Gastronomie in Hamburg ist gerade dabei, sich trotz widrigster Umstände langsam zu berappeln - trotz Schließung im Frühjahr, trotz eines desaströsen Sommergeschäftes aufgrund von behördlichen Beschränkungen in punkto Haushaltsregelungen und Gruppengrößen, die in freier Wildbahn vom Senat nicht durchgesetzt wurden und uns nur benachteiligten, trotz der Tatsache, dass es im bekannten Maße kein Weihnachtsgeschäft wird geben können, da die Gruppenbeschränkung auf 10 Personen in den Gastronomien kaum die üblichen Weihnachtsfeiern zulassen wird. Und wir sollen weiter eingeschränkt werden und somit als Bauernopfer für den blinden Aktionismus der Politik herhalten?

 

Und weswegen bitte? Es gab genau 2 Fälle, die in Hamburg auf die Barszene zurückgeführt wurden: Nach dicken Schlagzeilen von wegen 600 Infizierte kam im ersten Fall am Ende die doch etwas unspektakuläre Zahl von 13 Betroffenen heraus, im zweiten Betrieb wurde das Virus innerhalb einer Gruppe die die Bar gemeinsam besucht hatte weitergegeben, da las man etwas von 14 positiv getesteten Personen. Man kann davon ausgehen, dass sich diese Gruppe auch beim gemeinsamen Treffen im privaten Rahmen gegenseitig angesteckt hätte.

 

Und was die Schlagzeilen betrifft: Dem Amt zufolge hätte bezüglich des ersten Falls in der gesamten Bar aufgrund unzulänglicher Belüftung und Nichteinhaltung der Abstandsregelung ein hohes Ansteckungsrisiko bestanden, das war in mehreren Pressetexten zu lesen. Nachgewiesenermaßen hatte dort infiziertes Personal ohne Maske gearbeitet. Und am Ende haben wir eine 'Infektionswelle' im Ausmaß von 13 Personen. Verdient das wirklich den Stempel 'Hotspot'?

Dann wird in der Sendung von Markus Lanz behauptet, in Hamburg wären 70% der Kontaktlisten de facto nicht nutzbar wegen fehlender bzw. falscher Angaben.

 

Die Bezirksämter/Polizei kontrollieren die Betriebe, die ihnen negativ auffallen. Und das von diesem Teil der Bars dann die Listen nicht korrekt geführt sein könnten, wollen wir als Schätzung mal so hinnehmen. Aber das bedeutet in keinster Weise, dass 70% aller Kontaktlisten die in den Hamburger Bars geführt werden, unbrauchbar sind!

 

Nebenbei bemerkt können sich die Behörden den Schuh, was den Ursprung von Falschangaben anbelangt, mal hübsch selber anziehen. Wer Daten, die ganz klar nur dazu gedacht waren, Infektionsketten zu verfolgen, zu Ermittlungszwecken freigibt, muss sich nicht wundern, dass Gäste verunsichert sind und sich fragen, wo ihre Daten dann eventuell noch überall landen. Vielen Dank auch noch mal für diesen Stein auf dem Weg, Barbetriebe am Leben zu halten.

 

Mal abgesehen davon sind wir die einzige Branche, die überhaupt mit Kontaktlisten arbeiten muss. Kein Mensch weiß, wie die Infektionsketten in Supermärkten, öffentlichen Verkehrsmitteln und sogar Büroräumen aussehen, dazu wird einfach nichts veröffentlicht. Rückverfolgbar sind zur Zeit lediglich die Fälle der Gastronomie, und die paar kaum relevanten Zahlen werden gnadenlos medial ausgeschlachtet.

 

Die gesamte Berichterstattung der letzten Wochen ist so dermaßen sensationsgeil und diffamierend, dass man sich stark an amerikanische Copwatch-Serien erinnert fühlt: Da zieht das Ordnungsamt mit Polizei und Kamerateam los, um Bars zu überprüfen, selbstverständlich in der Hoffnung, Beanstandendes zu finden, man muss den Zuschauern ja auch was bieten. Welcher Eindruck soll denn hier bitte befeuert werden?

Es ist zumindest ein guter Weg, den Eindruck entstehen zu lassen, Barbetreiber wären alle unverantwortlich, geldgeil und am Ende selber Schuld, wenn ihr Fehlverhalten immer neue Reglementierungen nach sich zieht. Anstatt endlich die Betriebe, die seit Monaten verantwortlich handeln, zu stützen und die 'Wiederholungstäter' dann eben aus dem Verkehr zu ziehen.

 

Und nun wird also die Sperrstunde diskutiert bzw. in manchen Städten schon umgesetzt. Jeder, der einmal in England, dem 'Heimatland' der Sperrstunde, war, kennt die Zustände in den Pubs. Wenn Gäste wissen, dass zu einer bestimmten Zeit der Hammer fällt, wird eben schneller getrunken. Dann brechen alle gezwungenermaßen gleichzeitig auf, nutzen im besten Falle gesammelt öffentliche Verkehrsmittel nach Hause, im schlechteren Falle wird eben privat weitergefeiert.

 

Und warum halten wir diese Menschengruppen in den Bars noch mal auf Abstand? Der Sinn und Nutzen dieses neuesten politischen Verordnungsstreichs erschließt sich nicht.

 

Hey Senat, so geht's nicht.

Unruhiges Wochenende

28.9.2020 – Die Hamburger Bar- und Kneipenlandschaft hat ein unruhiges Wochenende hinter sich. Schaut man sich die Berichterstattung über die Corona-Kontrollen an, fallen an dieser zunächst drei Dinge auf:
  1. In St. Pauli und Schanze scheinen sich die Bars alles in allem nicht an Hygiene-Regeln zu halten.
  2. Bars scheinen geradezu der neue Infektionsherd des Alltags zu sein.
  3. Die Bars scheinen die Verantwortung dafür zu tragen, dass sich Gäste mit korrekten Angaben in die Registrierungslisten eintragen.

All das ist unbefriedigend. Denn etliche Bars haben bereits im Mai umfassende Hygiene-Konzepte ausgearbeitet und setzen sie seitdem erfolgreich um. Über all die Kontrollen, bei denen nichts zu beanstanden war, wird jedoch so gut wie nicht berichtet. Dazu passt, dass die Infektionsfälle, die zuletzt Bars zugeschrieben wurden, nur einen sehr kleinen Teil der Neuinfektionen in Hamburg ausmachen.

Wenn die Politik die Verantwortung für die korrekte Registrierung der Gäste jetzt an die Bars abschiebt, so etwa die Altonaer Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg in der Tagesschau, macht sie es sich zu einfach. Alle Beteiligten wissen, dass es aufgrund des Datenschutzes nicht möglich ist, die Registrierungsangaben auf Korrektheit zu überprüfen. Im Falle von "Darth Vader" mag es offensichtlich sein, dass der entsprechende Eintrag nicht stimmt. Aber es genügt schon ein absichtlicher Zahlendreher bei der Telefonnummer, und die Nachverfolgbarkeit funktioniert nicht mehr.

 

Die Aufregung um die Gästeregistrierung verschleiert allerdings eine wichtige Tatsache: Die Bar- und Kneipengastronomie hat bis heute keinerlei Unterstützung von den Behörden bei den Hygiene-Konzepten bekommen. Außer den oft unklaren Formulierungen in den Eindämmungsverordnungen gibt es nach wie vor keine Handreichung, keine direkte Kommunikation etwa der Gesundheitsbehörde, worauf Bars und Kneipen achten sollen.

 

Anstatt angesichts steigender Infektionszahlen auch in Hamburg die Bars und Kneipen zum Sündenbock zu machen, sollten Politik und Behörden auf diese zugehen und sie in der Umsetzung der Hygiene-Maßnahmen aktiv unterstützen. Umso mehr, als die Hygienemaßnahmen den Umsatz deutlich drücken: weniger Gäste, zusätzliche Hygienebeauftragte, Trennwände und Desinfektionsmittel sind sinnvoll, kosten aber eben Geld.

 

Was bei der Aufregung um die falschen Gästedaten gerne vergessen wird, ist, dass es eine sehr wirksame Maßnahme gibt, das Infektionsrisiko in Innenräumen zu mindern: nur eine begrenzte Anzahl von Gästen einzulassen und diese in kleinen Gruppen mit ausreichendem Abstand voneinander auf Sitzplätzen zu platzieren. Stehen und Tänzeln zwischen Sitzplätzen, gar am Tresen ist ein No-Go. Etliche Bars und Kneipen beherzigen dies von Anfang an.

 

Es wäre schön, wenn Politik und Medien all dies endlich zur Kenntnis nähmen.

Reeperbahn-Festival

23.9.2020 – Letztes Wochenende fand das alljährliche Reeperbahn Festival unter Pandemieauflagen statt und lieferte damit einen Hoffnungsschimmer der Perspektive für die schwer gebeutelte Club- und Veranstaltungslandschaft. Natürlich war das Besuchererlebnis ein anderes als in den Jahren zuvor, aber die Kritiken fielen überwiegend positiv aus.

 

Es ist eine Leistung angesichts der aktuellen Situation solch ein Projekt in Angriff zu nehmen und umso schöner zu sehen, dass solche Veranstaltungen durchaus umgesetzt werden können. Und schön zu sehen, dass das Nachtleben an diesem Wochenende weniger als gefährliche Virenschleuder und mehr als innovativ, anpassungsfähig und verantwortungsbewusst wahrgenommen wird.

Es wurde an einigen Stellen Kritik an der staatlichen Subventionierung des Reeperbahn Festivals laut. Derartige Veranstaltungen sind nicht nur für die Club- sondern auch für die Barlandschaft wichtig. Je vielfältiger das Angebot desto mehr Menschen nehmen am Nachtleben teil, desto belebter ist die Stadt, was am Ende eben auch den Bars zu Gute kommt. Daher profitieren wir alle voneinander und sollten uns nicht gegenseitig die staatliche Unterstützung neiden.

 

Einzig die unterschiedliche Bewertung der Club'kultur' und der Bar'szene' lässt Fragen offen. Konzerte und Clubs werden dem kulturellen Umfeld zugesprochen, darauf fußt ein Großteil der Subventionierungssummen. Das Reeperbahn Festival konnte nur stattfinden, indem die Besucherzahlen eingeschränkt wurden, sprich auf eine kostendeckendes Arbeiten verzichtet wurde. Eine finanzielle Hilfe von staatlicher Seite war daher unumgänglich.

 

Bars werden per Verordnung angehalten ihre Besucherkapazitäten einzuschränken um ein sicheres Umfeld bezüglich des Infektionsschutzes zu bieten und können so ebenfalls nicht kostendeckend arbeiten. Eine Subventionierung die diese Existenzbedrohung ausmerzt, ist allerdings noch nicht in Sicht. Es ist natürlich um einiges komplizierter eine solch heterogene Branche zu unterstützen, die Bedürfnisse der einzelnen Betriebe sind schlicht zu unterschiedlich. Aber der Versuch sollte doch unternommen werden, auch wenn die Bar'szene' scheinbar (noch) nicht als Teil des kulturellen Umfelds betrachtet wird.

 

Foto: Tom Heinke

17.9.2020: Stellungnahme des barkombinats

Winter is coming... und keine Perspektive in Sicht.

15.9.2020 – Unser Besuch im Rathaus sowie unsere Anregungen und Forderungen an den Hamburger Senat blieb von offizieller Seite her weiterhin unkommentiert, war wohl doch nur ein weiterer Presse/Marketingpunkt auf der politischen Agenda. Damit wäre die Frage, was der Hamburger Politik die Bar- und Kneipenlandschaft wert ist, nun auch geklärt. Schade.

 

Die Überbrückungshilfe entpuppte sich, wie von vielen Seiten lange vorab angekündigt, als Schuss in den Ofen. Beantragungskosten teilweise im vierstelligen Bereich, größte Unsicherheit was nun an Fixkosten als förderfähig angesehen wird, die Tatsache, dass Umsatzeinbrüche von mindestens 40% in den sowieso schon umsatzschwächsten Monaten erreicht sein müssen haben viele zögern lassen sich überhaupt in die Schlange der Antragsteller einzureihen.

 

Auch wenn der Sommer diese Woche noch einmal alles gegeben hat sind die Tage der Außenterrassen gezählt. Zum einen weil die Genehmigungen sowieso nur zeitlich begrenzt erteilt wurden, zum anderen weil Pläne die Terrassen winterfest zu machen von Behördenseite nicht durchgewunken werden. Der Autoverkehr scheint wirklich des Hamburger Politikers liebstes Kind zu sein, dessen Spielplatz keinesfalls in irgendeiner Form beeinträchtigt werden darf, anders kann man sich das wochenlange Tauziehen um zusätzliche Außenplätze und nun das Verbot von überdachten Terrassen aufgrund der Beeinträchtigung der 'Leichtigkeit des Verkehrs' kaum erklären. Aber wie sollen die reduzierten Plätze im Gastraum ausgeglichen werden?

 

So gehen wir nun in den Herbst und eine Frage steht im Raum: Wo sind die medizinisch fundierten Empfehlungen für Bars und Kneipen Pandemieauflagen sinnvoll in ihren Räumen umzusetzen? Kommen die noch oder dürfen wir uns die Lösungen für unsere Betriebe aus diversen verschiedenen Meldungen selber zusammensuchen? Wir alle haben den Anspruch Safe Places für unsere Gäste und Mitarbeiter zu sein. Mit wem kann man sich denn besprechen bezüglich Sinn und Unsinn diverser Anschaffungen wie Luftfilter, Fieberscanner etc.? Und: wer kommt für die Kosten auf?

 

Die Zeit der Weihnachtsfeiern rückt rasant näher, noch immer dürfen Bars und Kneipen lediglich Gruppen bis zu 10 Personen annehmen während im privaten Bereich bis zu 25 Personen zusammen feiern dürfen, für diese Regelung gibt es noch immer keine plausible Erklärung.

Unsere Betriebe reduzieren zum Schutz der Allgemeinheit ihre Kapazitäten, arbeiten somit am wirtschaftlichen Minimum (zum Teil auch darunter), da wäre es doch das Mindeste uns das Leben nicht noch weiter zu erschweren, wenn die unbürokratische finanzielle Hilfestellung schon sehr zu wünschen übrig lässt

Finally... Gespräch im Rathaus

20.8.2020 – Betty Kupsa vom Chug Club ist gestern im Namen des barkombinat Hamburg e.V. der Einladung ins Rathaus gefolgt, um in einem Branchengespräch dem Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher die bedrohliche Lage von Bars und Schankwirtschaften in Hamburg darzustellen und Lösungsansätze anzubieten. Dies ist das Statement, das sie Tschentscher übergeben hat:

Wie ist die Situation der Bars, Kneipen, sprich: Schankwirtschaften heute am 20. August?

BESORGNISERREGEND! Warum?

 

Als am 12. Mai der Shutdown gelockert wurde, stellte der Senat nur fest: „Bars dürfen nicht öffnen“. Es war das einzige Mal, dass die 1800 Schankwirtschaften in den Landespressekonferenzen explizit angesprochen wurden.

 

Das hat drastische Konsequenzen gehabt: Gäste blieben aus, und Bars und Kneipen haftet bis heute ein Imageschaden als Infektions- Hotspots an. Dabei sind gerade auch sie ein wichtiger Grund, warum jährlich Millionen Besucher an die Elbe kommen.

 

Wie Bars und Kneipen den Infektionsschutz konkret umsetzen sollten, war nirgendwo in Erfahrung zu bringen. Die Verordnungen waren zu unklar formuliert. Manche Bars und Kneipen sind auch deshalb bis heute geschlossen. Damit können sie ihre wichtige Funktion als Orte der Nachbarschaft, des sozialen Miteinanders nicht erfüllen.

 

Wir stellen fest: Es hat seit März keine Kommunikation mit uns als Betroffenen gegeben.

Sprechen wir über Geld.

 

Die Soforthilfe vom Bund und vom Land Hamburg war zwar hilfreich, jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die langwierige Antragssituation und ständige Änderungen waren der Situation nicht angemessen.

 

Kreditangebot und Stundungen sind für kleine Unternehmen keine Hilfe, sondern der erste Schritt in die Insolvenz.

 

Die Überbrückungshilfe vom Bund hat sich als Fiasko entpuppt:

 

Die Antragsvoraussetzungen waren für einen Großteil der Bars nicht zu erfüllen. Als Berechnungsgrundlage die schlechtesten Monate des Jahres heranzuziehen, während die nötigen und guten Monate geschlossen waren, ist nicht nachzuvollziehen. Technische Probleme der Online-Plattform haben zudem die Antragstellung weitestgehend unmöglich gemacht.

 

Wir als barkombinat Hamburg fragen uns seit Monaten: Was gedenkt die Stadt Hamburg für ihre Bar- und Kneipenkultur zu tun?

Während Großunternehmen Millionenhilfen bekamen, fiel der Stadt Hamburg für die Bars und Kneipen nichts anderes als eine „großzügige“ Erweiterung der Außenflächen ein. Das ist keine ernst zunehmende Hilfe.

 

Aber es geht anders, wenn die Stadt Hamburg nur will:

 

Erstens: Sie erkennt Bars und Kneipen als relevante Orte des Hamburger Kulturlebens an und nimmt sie ernst.

 

Zweitens: Sie geht ein echtes finanzielles Commitment ein, indem sie

• die Kosten zur Umsetzung der Hygienemaßnahmen erstattet,

• die Gastronom*innen rückwirkend für pandemiebedingte 
 Umsatzausfälle entschädigt,

• für die kleinen inhabergeführten Betriebe rückwirkend Unternehmerlöhne zahlt und

• rückwirkend 50% der Gewerbemieten übernimmt.

 

Drittens: Sie bindet in den kommenden Monaten Bars und Kneipen frühzeitig in weitere Verordnungen und Beschlüsse, die unsere Betriebe betreffen, ein. Denn wir sind inzwischen selbst Infektionsschutz-Experten für Orte, an denen Menschen zusammenkommen.

 

Noch einmal: Die weltweit bekannte, bunte und vielfältige Bar- und Kneipenkultur der Hansestadt ist die schillernde Gallionsfigur von Hamburg.

 

LASSEN SIE SIE NICHT UNTERGEHEN! 

 

Das barkombinat Hamburg ist jetzt ein Verein

17.8.2020 – Es ist vollbracht: Das barkombinat Hamburg hat sich heute Abend im Molotow als Verein gegründet, um die Interessen der Hamburger Schankwirtschaften besser vertreten zu können. Et voilà der erste Vorstand, bestehend aus (von links nach rechts):

 

The Rabbithole - Constanze Lay

Kurhaus - Dorothee Wolter

Silbersack - Dominik Großefeld

Gun Club St. Pauli - Maik Hennig

The Chug Club - Betty Kupsa

Sorgenbrecher - Yassi Ergun

 

Auf geht's!

Das Chaos bei der Überbrückungshilfe

14.8.2020 – Als barkombinat hören wir in diesen Tagen immer wieder: Was habt ihr denn, euch wird doch geholfen. Angesichts des bevorstehenden Gesprächs mit Bürgermeister Peter Tschentscher möchten wir da ein paar Sachen klarstellen.

 

Uns wurde als besonders von der Coranakrise betroffenem Wirtschaftszweig am 12.06.2020 vom Bundesminesterium für Wirtschaft eine Überbrückungshilfe in Aussicht gestellt, um schnell und unkompliziert Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Diese Geldern waren für die Monate Juni, Juli und August angedacht.

Leider können wir Stand heute – Mitte August! – feststellen, dass dies gründlich in die Hose gegangen ist.

 

Das ab dem 01.07.2020 geplante Antragsverfahren, das als schnell und unkomliziert angepriesen wurde, ist bis heute mehrfach auf Grund technischer Probleme verschoben und ausgesetzt worden. Auch die versprochene Tranzparenz des Verfahrens ist nicht gegeben, eine Abfrage des Bearbeitungsstandes ist nicht möglich.

 

Dies wurde zu keinem Zeitpunkt von den zuständigen Ministerien und Behörden öffentlich gemacht, so dass der Eindruck entstanden ist, das eine Bearbeitung und Auszahlung der Hilfen wie geplant ab Juli 2020 an die betroffenen Branchen erfolgt ist. Tatsächlich ist bisher so gut wie kein Geld geflossen, ein einziges Unternehmen aus dem barkombinat hat bisher die Hilfe bekommen.

 

Diese Hilfen können zudem nur unter Anspruchnahme von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern beantragt werden, was dazu führt, das die Bars mit den Kosten der Antragsstellung finanziell noch einmal belastet werden. Das ist ähnlich absurd, als ob man Gebühren für die Beantragung von ALG 2 oder sonstigen staatlichen Zuschüssen erheben würde.

 

Auch ist die Höhe der möglichen Hilfen zu gering, da max. 80 % der Fixkosten förderberechtigt sind. Ausgleichszahlungen für infolge der Schließungen entgangene Umsätze sowie Unternehmerlöhne und saisonale Rücklagenbildung wurden von vornerein von der Bundesregierung nicht berücksichtigt.

 

Noch schlimmer: Unternehmen, die es unter den erschwerten Bedingungen des Infektionsschutzes geschafft haben, 50% der Umsätze des Vorjahres zu erreichen, sind bei der Überbbrückungshilfe nicht antragsberechtigt.

 

Es ist uns als barkombinat Hamburg vollkommen unverständlich und nicht zu rechtfertigen, dass Bars und Schankwirtschaften die weitere Förderung verwehrt wird, obwohl sie sich mit Engament und Ideenreichtum bemüht haben, einen wirtschaftlichen Betrieb wieder aufzunehmen.

 

Wir forden eine Überarbeitung der Antragsberechtigung und eine schnelle Auszahlung der angekündigten Überbrückungshilfe durch die zuständigen Ministerien und Behörden, da diese Gelder schon lange überfällig sind und dringend benötigt werden.

 

Der Bund hat hier die Verantwortung zu übernehmen, den Unternehmen wie versprochen zu helfen und nachzuweisen, dass es sich hierbei nicht nur um leere Worthülsen handelt.

 

Darüber hinaus erwarten wir auch eine schnelle Stellungnahme bezüglich der Probleme der Antagsstellung und Ausschüttung der Überbrückungshilfen, sowie eine Richtigstellung angesichts der öffentlichen Wahrnehmung, dass die Bundesregierung alles unternehme, die Gastonomie und andere stark betroffene Branchen zu retten und eine Pleitewelle zu verhindern.

 

Fazit: Den Bars und Kneipen der Hansestadt ist hier bisher NICHT geholfen worden. Sie hängen weiter in der Luft und sehen am Horizont täglich eine drohende Insolvenz, die einfach nicht verschwinden will.

Neue Verordnung – der Senat spricht kafkanesisch

2.7.2020 – Der Senat hat am Dienstag eine neue Corona-Verordnung erlassen und die Auflagen geändert. Wir haben zwei Tage darüber sinniert. Ergebnis: Was wirklich erlaubt ist oder Sinn ergibt, ist auch dieses Mal nicht ohne Übersetzung zu verstehen. Der Senat spricht weiterhin kafkanesisch.

 

Die 2-Haushalte-Regel und das Verbot von privaten Feiern gelten nicht mehr. Ab sofort dürfen sich – bis Ende August – im öffentlichen Raum und in der Gastronomie 10 Personen treffen, die alle aus unterschiedlichen Haushalten sein können. Bei privaten Feiern in privaten Räumen sind hingegen 25 Personen erlaubt.

 

Nun fragt man sich, warum auf der Straße oder in der Bar eine 11. Person das Infektionsrisiko erhöht, aber auf der privaten Feier nicht einmal die 23., 24. oder 25. Person.

 

Tatsächlich sind die Bars und Kneipen in der Einhaltung des Infektionsschutzes längst Experten. Dafür, so sieht es nun aus, werden sie nun bestraft. Gleich doppelt: Nicht nur dürfen weniger Leute beisammen sein – sie verlieren auch weiterhin Gäste, denn natürlich wird jede*r seine/ihre 25-Leute-Feier zuhause ausrichten und nicht in der Schankwirtschaftsgastronomie.

 

Nun dachten wir: OK, 10 Leute aus 10 Haushalten ist immerhin einfacher zu bewerkstelligen als vorher. Doch es stellt sich heraus, dass der Senat eine spezielle Vorstellung von Zusammenkunft hat. Auf Nachfrage teilte uns die Wirtschaftsbehörde "die behördliche Auslegung des Begriffs ,Zusammenkunft'" mit:

 

"Unter einer Zusammenkunft mit bis zu 10 Personen ist das gezielte Zusammenkommen von Personen zu verstehen. Zufällige und unbeabsichtigte Begegnungen fallen nicht unter diese Begrifflichkeit. So ist beispielsweise im Park von fremden Personen weiterhin Abstand zu halten, auch wenn hier weniger als 10 Personen zusammentreffen."

 

Bedeutet "gezielt", dass alle zur selben Zeit an einem verabredeten Ort eintreffen müssen? Ob im Park, auf der Straße oder in einer Bar? Was ist, wenn eine Person sich verspätet? Muss die dann Abstand halten? Und müssen die 10 dann den ganzen Abend wie ein kleiner Fischschwarm beisammen bleiben?

 

Wir vermuten, dass 99 Prozent der Hamburger*innen diese Auslegung nicht kennen, und sagen voraus, dass dies ein heiterer Sommer wird.

In einem Vorgespräch mit Senatsvertreter*innen wurde gestern außerdem folgendes klar:

 

Der Senat plant keine weiteren finanziellen Hilfen aus Landesmitteln für die 1800 Schankwirtschaften in dieser Stadt. Punkt.

Hinzu kommt, dass die neuen Bundeshilfen sich weiter verzögern: Ursprünglich sollten sie ab dem 1.7. beantragt werden können, nun ist vom 8.7. die Rede. Zu den Fallstricken, wer überhaupt Geld bekommen kann, hatten wir letzte Woche Donnerstag etwas geschrieben (siehe Post: "Anhaltendes Niedrigwasser").

 

Positiv betrachtet: Wir wissen jetzt, woran wir sind. Das große Hamburger Bar- und Kneipensterben wird in Kauf genommen.

 

Wenn der Senat im August aus der Sommerpause zurückkommt und es das Gespräch der besonders gebeutelten Branchen mit Bürgermeister Tschentscher gibt, ist es vielleicht schon zu spät – und die Bar-Landschaft an ersten Orten trockengefallen.

Hey Senat: Alles im Eimer!

29.6.2020 – Rund 80 Bars aus dem barkombinat haben heute vor dem Hamburger Rathaus symbolisch die Schlüssel ihrer Betriebe abgegeben und sie in die Eimer eines Wasserträgers geworfen. Die Eimer wurden dann vor dem Rathausportal abgestellt. Denn wenn nicht schnell ein Plan zur Rettung der Bars und Kneipen gemacht wird, passiert genau dies mit der Hamburger Barkultur: Alles im Eimer!

Anhaltendes Niedrigwasser

25.6.2020 – eine Bestandsaufnahme der letzten Wochen: Fangen wir mit einer guten Nachricht an: Der Senat hat tatsächlich mit dem barkombinat Kontakt aufgenommen.

 

Ist das cool? Nicht so richtig. Denn: Es soll erst im August ein offzielles Gespräch mit allen von der Corona-Krise schwer betroffenen Branchen geben. August ist gefühlt im nächsten Jahr. Zwar ist vor der Sommerpause (was für eine Sommerpause eigentlich?) noch ein kurzer Austausch mit Mitarbeiter*innen von Fachbehörden geplant. Aber es ist eben nicht das Zeichen, das wir uns alle gewünscht hätten – nämlich, dass der Ernst der Lage erkannt wurde und schnell ein direktes Gespräch zwischen Senat/Bürgermeister und Schankwirtschaften organisiert worden wäre.

 

Blick zurück: Am 2. Mai sagte Bürgermeister Peter Tschentscher in einem gestreamten Gespräch mit Olivia Jones, man wolle sich auch um die Lage der Bars und Kneipen kümmern. In späteren Landespressekonferenzen wurde die Ankündigung von Gesprächen wiederholt. Es blieb immer bei Ankündigungen.

 

Am 12. Mai verkündete der Senat eine Lockerung der Corona-Kontaktbeschränkungen, die Bars und Kneipen einen eingeschränkten Betrieb ermöglichte. Die Einschränkungen waren hinsichtlich des Infektionsschutzes notwendig und sinnvoll. Also machten die Bars, die entweder genug Fläche und/oder Außengastro hatten, ab dem 13. Mai auf. Das Experiment begann.

 

Sechs Wochen später können allein die über 90 Bars & Kneipen im barkombinat sagen: Es rechnet sich nicht. Der Umsatz bei erhöhtem Personalaufwand ist im Durchschnitt um 80 Prozent eingebrochen. Einige konnten dank guter Außengastro-Flächen den Einbruch auf 50 Prozent begrenzen. Andere, deren Grundriss keinen Betrieb unter Corona-Auflagen ermöglicht, sind bis heute geschlossen. Ergo: Umsatzeinbruch 100 Prozent. Also null Euro Umsatz.

 

Alles in Allem herrscht zuallererst großes Durcheinander. Was genau erlaubt ist und was nicht, erfordert nach wie vor hermeneutische Fähigkeiten. Die Verordnungen sind unklar und verletzen damit nebenbei einen wichtiges Rechtsprinzip: den Bestimmtheitsgrundsatz. Der besagt, dass Gesetze und Verordnungen so zu formulieren sind, dass jede*r Bürger*in sie verstehen kann. Da muss der Senat noch ein wenig üben.

 

Die großzügig am 4. Juni in Aussicht gestellte Erweiterung der Außengastro-Flächen, die ohnehin nur einem Teil der Bars und Kneipen hilft, scheitert in der Praxis an kafkaesken Situation. Erlaubt am einen Tag ein Vertreter des Ordnungsamtes einem Betrieb, sechs Tische auf dem Bürgersteig aufzubauen, erklärt am nächsten Tag die heranrauschende Polizei, dies sei nicht erlaubt, alle Tische müssten wieder abgebaut werden. Etliche Barbetreiber*innen warten sowieso seit 5. Juni auf eine Antwort auf ihren Antrag auf Erweiterung.

 

Weder diese Außengastro-Erweiterung noch das vermutlich ab 1. Juli in Kraft tretende zweite Hilfspaket des Bundes werden die Misere beenden. Denn zu befürchten ist, dass etliche Bars, die mit enormem Einsatz und großer Kreativität einen Notbetrieb aufgebaut haben, kein Geld vom zweiten Bundespaket bekommen. Weil sie, kein Witz, auf niedrigstem Niveau womöglich zu viel verdient haben. Bars, die ihr Hauptgeschäft im Winter machen, sind besonders hart getroffen. Sie verdienen im Sommer wenig, aber der maue Corona-Betrieb wird mit diesen niedrigen Sommerumsätzen verglichen. Und schon können auch sie keine Förderung mehr beantragen. Das muss man sich mal vorstellen.

 

Vom ersten Hilfspaket ist ein großer Teil des Geldes direkt in die Gewerbemieten geflossen. Man könnte von der Schweiz lernen: Dort hat das Parlament beschlossen, dass Gewerbe-Vermieter*innen rückwirkend zum Shutdown-Beginn 60 Prozent der Mieten an ihre Gewerbe-Mieter*innen zurückzahlen müssen! Das ist nur fair: Die Lasten der Corona-Pandemie sollten gerecht verteilt sein. Dass Bundestag und Bundesrat hierzulande so etwas beschließen, ist aber nicht zu erwarten.

 

Deshalb hat sich an den Forderungen, die das barkombinat am 28. Mai gestellt hat, nichts geändert. Sie lauteten:

 

1. Sofortmaßnahme: Ausgleichszahlungen, unter anderem in Form von Mietzuschüssen, solange die Pandemie-Auflagen einen normalen Bar- und Kneipenbetrieb unmöglich machen.

2. Sofortmaßnahme: Subventionen für den erhöhten Personalaufwand und Investitionen zur Erfüllung der Pandemie Auflagen.

3. Sofortmaßnahme: Rückwirkende Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf 80% für Mitarbeiter*innen."

Und auch eine andere Sache möchten wir hier gerne noch einmal betonen: Bars und Kneipen sind für eine Stadt wie Hamburg nicht einfach nur "nice to have". Sie sind UNVERZICHTBAR!

 

Für das kulturelle Leben der Stadt, für den Zusammenhalt und die Lebensfreude der Nachbarschaften in den Stadtteilen – und, liebe Kaufleute der Hansestadt: als einer der Publikumsmagneten des zweitgrößten Hamburger Wirtschaftssektors, des Tourismus. Wer bitte will nach dem Konzert, nach dem Museum, nach dem Musical sofort ins Hotelzimmer zurück? Wer nach Hamburg kommt, will immer auch die Nacht erleben. In den Bars und Kneipen dieser Stadt.

 

Das alles steht auf dem Spiel, und wie es in einigen Monaten aussehen könnte, haben wir am 12. Juni mit der Verhüllungsaktion "Der kommende Leerstand" gezeigt. Wenn die Bars weg sind, was kommt dann, was sie würdig ersetzen könnte? Wir alle wissen doch: Die Geier kreisen längst.

 

Deshalb, Senat: Der Pegel muss steigen. Lange halten wir das anhaltende Niedrigwasser nicht mehr durch. Was ist dein Plan? Was sind dir die Bars und Kneipen in dieser Stadt wert?

 

Wir sind gespannt auf deine Vorschläge.

 

Foto: Franz Andreas Meyer & GeorgHH, CC BY-SA 3.0, via Wikipedia.

Es zeigt übrigens die Trostbrücke!

Noch einmal: Worum es gerade geht

19.6.2020 – Die Mopo hat gestern unseren Post vom Montag aufgegriffen. In dem Artikel wird, gerade auch aufgrund der Bebilderung, der Eindruck erweckt, wir als barkombinat würden Kioske und das Cornern an sich kritisieren. Eine solche Kritik steht zwar nicht in dem Post drin (das Wort "Kiosk" taucht darin nicht einmal auf), aber wir möchten nun doch noch mal einige Punkte klarstellen.

Für uns ist es selbstverständlich, dass jede*r die freie Wahl hat, wo er oder sie das Bier, den Wein, den Gin Tonic, whatever trinkt. Ob auf der Straße, in der Bar oder am Kiosk - jede*r so, wie es ihr oder ihm gefällt. Leben und leben lassen gehört seit jeher zu den guten Seiten Hamburgs.

 

Dass derzeit sehr viel mehr Menschen nach draußen strömen und dort etwas trinken, ist verständlich. Die Clubs sind zu, Bars und Kneipen können nur einen kleinen Teil der Plätze anbieten, der Sommer steht vor der Tür, es ist warm. Und, ganz wichtig: Viele haben Jobs oder Nebenjobs verloren, das Geld ist knapp. Da ist es absolut nachvollziehbar, dass das günstige Bier am Kiosk für viele erste Wahl ist.

Die Frage ist also nicht, ob Kioske "böse", Cornern "schlecht", Bars "gut" sind. Diese Frage stellt sich uns im barkombinat nicht.

 

Die einzige Frage, um die es derzeit geht, lautet: Wieviel Abstand müssen wir voneinander halten? Dazu gibt es Regeln, die im Falle Hamburgs die Gesundheitsbehörde aufgestellt hat. Diese Regeln sind allgemein bekannt, und sie sind begründet - durch virologische und epidemiologische Fakten.

 

Wir sind gerade am Ende der ersten - und hoffentlich letzten – Welle der Corona-Pandemie. Diese Pandemie ist aber noch NICHT vorüber, so bedauerlich das für uns alle ist.

 

Wöchentlich tauchen in etlichen Ländern doch wieder neue lokale Infektionsherde auf, in denen auf einen Schlag zum Teil Hunderte mit dem Coronavirus infiziert werden. Dass dies auch hier geschieht, möchten wir uns wohl alle gerne ersparen.

 

Deshalb: Halten wir noch eine Weile durch, indem wir uns alle an die Abstandsregeln halten. Es ist nicht schwer. Hamburg ist groß genug, um sich locker zu verteilen und dennoch Spaß beim Bier zu haben.

 

Noch eine Sache. Das barkombinat hat sich einen Kodex gegeben, dessen fünfter Punkt beinhaltet: "Jedes Mitglied verpflichtet sich dazu, die Pandemie ernst zu nehmen, nach bestem Gewissen die (hoffentlich bald konkreten) Vorgaben einzuhalten und so eine Verbreitung des Virus einzudämmen." Alle Bars haben Verantwortung für ihre Außengastro-Bereiche vor ihren Läden, und diese übernehmen sie auch, indem sie z.B. Abstandsmarkierungen auf den Boden gezeichnet oder Tische und Bänke entsprechend weit auseinander gestellt haben (siehe Bilder). Wenn Ihr seht, dass es in den Außengastro-Bereichen zu voll wird, sprecht uns bitte an. Entweder direkt in der jeweiligen Bar oder hier über PN.

It's the Abstand, stupid

15.6.2020 – Mit Erstaunen haben wir festgestellt, dass der Hamburger Senat an diesem Wochenende praktisch den Infektionsschutz aufgegeben hat. Während Bars und Kneipen akribisch kontrolliert werden, ballen sich an den bekannten Punkten wie Schulterblatt, "Corner" (Beim Grünen Jäger), Hamburger Berg oder Alma-Wartenberg-Platz Menschenmassen, die bis auf symbolische Kontrollen sich so verhalten können, als habe es Corona nicht gegeben.

 

Wir wissen nicht, ob es sich um ein Experiment handelt. Wenn die Innenbehörde gebetsmühlenartig behaupt, alles im Griff zu haben, erscheint uns das als schlechter Witz. Die Möglichkeit einer zweiten Corona-Welle wird offenbar zunehmend ignoriert.

 

Wir als barkombinat geben in unseren Bars und auf den Außenflächen davor weiterhin unser Bestes. Das letzte, was wir in der jetzigen katastrophalen Situation brauchen, ist Misstrauen seitens der Polizei hinsichtlich der Umsetzung der Corona-Auflagen für Schankwirtschaften. Ein respektvoller Umgang mit Bars und Kneipen, die sich an die Auflagen halten, sieht anders aus.

 

Es wird Zeit, dass wir reden, Senat!

 

Und wir hätten da noch einen Vorschlag, wie man den öffentlichen Raum so gestaltet, dass jeder begreift, dass bis auf weiteres die Abstände noch eingehalten werden müssen. Das ist in anderen Städten, zum Beispiel in Vicchio in Italien, schon sehr schick umgesetzt worden.

Der kommende Leerstand

12.6.2020 – Das barkombinat Hamburg hat heute an 30 Orten den kommenden Leerstand in der Bar- und Kneipengastronomie gezeigt, der folgt, wenn der Hamburger Senat die Dramatik der Situation nicht erkennt. Zahlreichen der 1800 Schankwirtschaften in Hamburg droht das Aus.

 

Bis heute hat der Senat nicht auf zwei Hilferufe des barkombinats reagiert.

 

Wo heute Bars und Kneipen als Aushängeschilder der weltweit geschätzten Hamburger Bar- und Kneipenkultur sind, könnte in wenigen Monaten Leerstand herrschen.

 

Heute hat der LANDGANG bekannt gegeben, das diese Bar nicht wieder öffnen wird. Das wird leider nur ein Anfang sein.

 

Im barkombinat Hamburg haben sich innerhalb von drei Wochen 86 Bars und Kneipen zusammengeschlossen.

 

Die vom Senat gewährte Erweiterung der Außengastronomie kann diesen Einbruch nicht auffangen. Auch die Absenkung der Mehrwertsteuer ist reine Augenwischerei.

 

Für die Unterstützung der heutigen Aktion bedanken wir uns bei The Botanist Gin, Bruichladdich, Premium-Cola und BORCO-Marken-Import, viele weitere Unternehmen haben sich bereit erklärt, das barkombinat Hamburg zu unterstützen.

 

Fotos: Miguel Martinez.

Die Außengastro soll's retten?

7.6.2020 – Der Sorgenbrecher ist eine der Bars und Kneipen, die von den Corona-Auflagen besonders hart getroffen werden: Aufgrund seines Grundrisses kann er die Auflagen nicht einhalten und bleibt zu. Der Sorgenbrecher zeigt auch, dass die großzügige Erweiterung der Außengastroflächen keine Lösung ist – der Sorgenbrecher hat keine, und wer den Hamburger Berg kennt, weiß, dass da auch kein Platz für ist.

 

Wenn Wirtschaftssenator Westhagemann sagt, mit der Erweiterung der Außengastroflächen könne man "den betroffenen Gaststätten … nachhaltig und spürbar helfen", ist das Augenwischerei (siehe t.hh.de/13946140).

 

Diese Maßnahme allein wird viele der 1800 Schankwirtschaften in Hamburg nicht retten. Viele von ihnen können aufgrund der Lage keine Außengastroflächen nutzen, andere können vorhandene Flächen nicht erweitern - auch, weil die Menschenaufläufe an sommerlichen Wochenendabenden die Einhaltung der Hygiene-Regeln in der Außengastrofläche unmöglich machen.

 

In manchen Nachbarschaften ist für die Bewohner*innen die Grenze der Belastung durch Außengastro und Cornern ohnehin längst erreicht. Noch mehr davon wird etlichen Bewohner*innen den Sommer vermiesen und schlaflose Nächte bringen. Auch hier wälzt der Senat seine Verantwortung einmal mehr auf die Bars und Kneipen ab.

 

Wir wiederholen uns gerne: HEY SENAT, so geht's nicht!

 

4.6.2020 – Während die Bars und Kneipen im barkombinat sich Tag für Tag abrackern, die Corona-Auflagen einzuhalten und mehr schlecht als recht über die Runden zu kommen, warten wir auf eine Antwort des Senats auf den Brief vom vergangenen Donnerstag. Ja, ihr habt richtig gelesen, wir warten, denn bisher kam als Antwort – nichts.

 

Die Koalitionsverhandlungen von SPD und Grüne mögen sicher einige Zeit in Anspruch nehmen, doch die Corona-Krise macht keine Pause. HEY SENAT, so geht's nicht.

 

Von der Bundesregierung ist zu vernehmen, dass ein zweites Hilfspaket bis Ende des Sommers aufgelegt werden soll. Aber für das barkombinat ist klar: Auch die Stadt Hamburg muss etwas tun und kann diese Aufgabe nicht allein dem Bund überlassen.

 

Das barkombinat Hamburg ist bereit für ein Gespräch im Rathaus.

Ein offener Brief von Barbetreiber*innen an den Hamburger Senat

Hamburg, 28.5.2020

HEY SENAT, SO GEHT'S NICHT

 

Du hast am 12.5.2020 den Betrieb für Restaurants und Schankwirtschaften unter strengen Auflagen freigegeben. 1800 Kneipen, Lokale, Bars dürfen seitdem wieder öffnen. Ist das cool? Ist es nicht. Die Auflagen sind so hoch, dass das Produkt „Bar“ kaputt ist. Die Umsätze reichen nicht, um Personal, Miete, Lieferant*innen und Steuern zu bezahlen. Der Spirit, für den Leute seit jeher in Bars und Kneipen gehen, ist zwischen Plexiglaswänden, Registrierungslisten und Gebrauchsanweisungen für das Trinken in Corona-Zeiten sowieso nicht da.

 

Wir als Gastronom*innen nehmen den Infektionsschutz verdammt ernst, aber du, Senat, wälzst die Verantwortung mit der Lockerung auf uns ab. Wir sollen nun Ordnungshüter*innen, Hygiene-Beauftragte, Datenschützer*innen und Security in einem sein. Das macht den Betrieb unwirtschaftlich. Abgesehen davon haben gar nicht alle von uns den Raum, um die Abstandsregeln einhalten oder auf Außenflächen ausweichen zu können. Einige können schlicht nicht öffnen.

 

Hey Senat, so geht’s nicht!

 

Willst du zusehen, wie eine Kneipe, eine Bar nach der nächsten in die Knie geht und Insolvenz anmeldet? Was ist es dir wert, diese Bar- und Kneipenkultur zu erhalten, bis die Pandemie vorbei ist? Denn machen wir uns nichts vor: Wenn die Bars und Kneipen weg sind, wird Hamburg zum Provinznest absinken. Das war's dann mit dem aufregenden „Tor zur Welt“, in das unzählige Besucher*innen kamen, weil sie in einer Stadt ohne Sperrstunde das Abenteuer suchten und oft genug fanden. In der in den Bars und Kneipen Welthits entstanden, Filme und Romane, Geschäftsideen und Deals – wie sich das für eine Weltstadt gehört.

 

Mehr noch: Die Bars und Kneipen haben ganze Viertel geprägt, sind Orte des nachbarschaftlichen Miteinanders, des Zusammenhalts, der Freundschaft, der Leidenschaft. All das könnte Hamburg in den nächsten Monaten verlieren.

 

Mit den Soforthilfen vom April ist es nicht getan. Die sind im Juni aufgebraucht. Spätestens. Eine weitere Lockerung der Auflagen ist in der derzeitigen Situation aber unverantwortlich.

 

Also, Senat, gib dir einen Ruck: Du musst die Hamburger Bars und Kneipen retten, und zwar so:

 

1. Sofortmaßnahme: Ausgleichszahlungen, unter anderem in Form von Mietzuschüssen, solange die Pandemie-Auflagen einen normalen Bar- und Kneipenbetrieb unmöglich machen.

2. Sofortmaßnahme: Subventionen für den erhöhten Personalaufwand und Investitionen zur Erfüllung der Pandemie Auflagen.

3. Sofortmaßnahme: Rückwirkende Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf 80% für Mitarbeiter*innen.

4. Sofortmaßnahme: Und jetzt, Senat, musst du aktiv werden. Wir warten auf Deine Einladung ins Rathaus, um zukünftig in Deine Entscheidungen mit einbezogen zu werden und ein Mitspracherecht zu haben. Zum Beispiel bei der kurzfristigen und unbürokratischen Erweiterung von Außengastronomie- Flächen und bei der Weiterentwicklung des Corona-Hygienekonzepts für die Gastronomie.

 

Eine Stadt, in der Nachbar*innen und Besucher*innen nicht mehr miteinander einen trinken können, ist mausetot. Dieses Schicksal kannst du Hamburg ersparen, Senat. Los geht's!

 

Dein barkombinat Hamburg (Verein in Gründung)

 

Aalhaus

Augustiner Stub'n

Auster Bar

Bar 439

Barboncino Zwölphi

Beat Boutique

Boilermann Bar

Bernsteinbar

Brews Brothers

Central Congress

Daniela Bar

Das Standard

Dschungel

DulsBAR

El Brujito

Eldorado

Feierei

Futur III

Goldfischglas

Gun Club – St. Pauli

Hausverbot

Jolly Roger

Jupi Bar

Katze

Kitty

Kleinraumdisko

Komet

KorallBar

Kurhaus

Landgang

Laundrette

Le Fonque

Le Lion

Lemon

Lunacy

Mathilde (Eimsbüttel)

Mathilde (Ottensen)

Mother's Fine Coffee

Möwe Sturzflug

Mutter

Nachtasyl

Nachthafen

Otzentreff

Pelican

Roschinsky's

Saal II

Schwalbeneck

Semtex

Shebeen

Silbersack

Sorgenbrecher

TBA//to be announced

The Chug Club

The Med

The Rabbithole

Tiny Oyster Inn

Toast Bar

Tortuga

Wald

Walrus Bar

Washington Bar

Weinbar im FC St. Pauli Museum

Yoko

Zoë II

Zoë III

Zoo

(10) and counting